Erfolgreiches Lernen auf Gegenseitigkeit:

Übungsgruppen

 

Wie bekommen Teilnehmerinnen der Ausbildung zur Psychologischen Beraterin Praxiserfahrung? Braucht man dazu schon Klienten?

Aus den Rückmeldungen von Schülerinnen lässt sich schließen: Effektives Lernen ist auch in Übungsgruppen möglich. Allerdings müssen dazu bestimmte Regeln eingehalten werden, sonst findet man sich rasch in einem Kaffeekränzchen wieder.

1. Wer mit wem?

Idealerweise beginnen zwei Personen, die sich gut verstehen, eine Übungsgruppe, indem sie eine dritte Person einladen, mit ihnen zu üben. Natürlich können sich auch mehr als drei Personen zusammentun; erfahrungsgemäß sind aber gemeinsame Termine schwieriger zu finden, je mehr Teilnehmer sich einigen müssen.

2. Termine, Treffpunkte

Bei jedem Treffen wird nur der nächste Übungstermin festgelegt. (Terminkalender mitbringen!). Evtl. verhinderte Personen sollten davon in Kenntnis gesetzt werden, ohne dass sie mitbestimmen können (sonst entsteht leicht der Zwang zu einer Vielzahl von Telefonaten).

Als Treffpunkte bieten sich die Wohnungen der Teilnehmer an, sofern dort ein ungestörtes Arbeiten möglich ist. Auch die Schulen sind in der Regel bereit, freie Räume den Schülern zur Verfügung zu stellen; dazu muss man mit der jeweiligen Studienleitung vor Ort Rücksprache halten.

3. Zeitdauer, Ablauf

Ein Zeitfenster von ca. 2,5-3 Std. ist für den sinnvollen Ablauf eines Übungstermins ausreichend. Dieser könnte z. B. folgendermaßen aussehen:

15 min Ankommen, Neuigkeiten austauschen.

30 min 1. Übungsgespräch. Kurze Pause.

30 min Nachgespräch (Rückmeldungen: (Lob, Kritik, Anregungen).

30 min 2. Übungsgespräch (Die Rollen werden so vertauscht, dass der 'Klient' nun als 'Supervisor' tätig wird).

Kurze Pause.

30 min Nachgespräch.

15 min Termin- und Ortsvereinbarung für das nächste Treffen;Verabschiedung.

4. "Setting" für die Übungsgespräche

Als Themen sollten möglichst echte, keine erfundenen Geschichten, Probleme etc. dienen. Nur so können Berater und Supervisor/en lernen, wie sich therapeutische Interventionen tatsächlich auswirken.

Wenn keine aktuellen bzw. für diese Runde geeigneten Themen vorhanden sind, gibt es folgende Möglichkeiten:

- Die Teilnehmer bewerten ihre verschiedenen Lebensbereiche (Ausbildungsstand, Gesundheit, Zeitmanagement, Finanzlage, Ernährungsverhalten, Schlafqualität, Beziehungen - auch zu Eltern, Geschwistern, Kindern, KollegInnen etc.) nach der 1-10 - Skala. Die niedrigsten Werte dienen als Gesprächsanlass.

- Berater und Klient analysieren eine bereits gelöste Problemstellung und versuchen noch einmal zu klären, wie die Lösung zustandekam.

- Ein Teilnehmer nennt ein Problem, beschreibt die Situation zu einem "niedrigen Skalenwert" oder berichtet über ein bereits gelöstes Problem: die anderen Teilnehmer haben nun Gelegenheit, ihre Meinungen und Lösungsanregungen dazu loszuwerden, ohne dass darauf sofort geantwortet wird. Am Ende gibt der Erzähler Rückmeldung, was davon ihm geholfen hätte bzw. hat.

Während der Gespräche fungieren die nicht aktiven Teilnehmer als Supervisoren. Sie können das Gespräch jederzeit unterbrechen, wenn sie etwas nicht nachvollziehen können (z. B. weshalb der Berater eine Intervention unternimmt) oder wenn sie das Gespräch in einer Sackgasse wähnen. Genauso kann der Berater um Hilfe bitten, wenn er nicht mehr weiter weiß. Unterbrechungen und Kritik sind für die Übungssituation unerlässlich - auch wenn sie vielleicht als störend empfunden werden. -

Themen und Gesprächsinhalte sind und bleiben "Tabu" für Erörterungen nach außen, es sei denn, der "Klient" entbindet die Runde ausdrücklich von dieser Verschwiegenheitspflicht (z. B. wenn andere um Unterstützung gebeten werden sollen).

5. Weitere Ideen und Anregungen

- Für das Nachgespräch kann es sehr nützlich sein, wenn man die Gespräche stichwortartig protokolliert; dabei können auch Lob und Kritik notiert werden, ohne das Gespräch zu unterbrechen.

- Es können evtl. Klienten mitgebracht werden, vorausgesetzt, die übrigen Teilnehmer sind damit einverstanden.

- Ungeklärte Themen im regulären Unterricht ansprechen; um Unterstützung bitten.

- Alle Teilnehmer können zum gleichen Thema (besonders in der Prüfungsvorbereitung) ein Kurzreferat (max. 10 Minuten) vorbereiten. Das Los entscheidet, wer vorträgt; die anderen ergänzen aus ihrer eigenen Vorbereitung oder fragen nach.

- Wer akute Probleme in Ruhe mit einem Berater lösen möchte, soll sich lieber mit einem solchen verabreden; damit kann die Übungssituation überfordert werden.

- Persönliche Differenzen sollten unter vier Augen mit dem Betreffenden geklärt werden, damit die Gruppensituation nicht unnötig belastet wird.

- Klare Absprachen über die Anzahl der geplanten Treffen zum Üben (z. B. fünf Mal) sind sinnvoll; beim letzten Termin abklären, ob und in welcher Besetzung man weitermachen möchte. So vermeidet man "unendliche" Versprechungen, aus denen man nur mit Mühe (und oft zum Nachteil der anderen Übungsteilnehmer) wieder aussteigen kann.

- Die Treffen reihum bei den einzelnen Teilnehmern stattfinden lassen; so ist der Aufwand für alle gleichmäßig verteilt.

- Nach der Ausbildung kann aus der Übungs- eine Supervisionsgruppe auf Gegenseitigkeit entstehen (z.B. 1/4-jährlich).

gesammelt und zusammengestellt

von Werner Winkler

 

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