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Wer war eigentlich... Gustav Theodor Fechner?
Wer war der Mann, den Sigmund Freud den "großen Fechner" nannte und von dem er einen Großteil seiner Ideen (die seelische Energie, die Einteilung der Psyche, das Lust-Unlust-Prinzip) übernommen hatte? Was trieb diesen Forscher, der lange vor modernen Autoren die Erde als Lebewesen beschrieben und den Pflanzen eine Seele zugestanden hatte? Geboren wurde Fechner 1801 in Ostpreußen als Sohn eines Pfarrers, er studierte Medizin, weigerte sich aber, in einer Klinik oder Praxis zu arbeiten. Statt dessen forschte er lieber auf eigene Faust und verdiente seinen Lebensunterhalt durch Zeitungsartikel und Übersetzungen. Seine physikalischen Experimente waren so erfolgreich, dass ihm die Universität Leipzig im Alter von 23 Jahren einen Lehrstuhl anbot. 1833 wurde er dort sogar Professor für Physik. Die Vorlesungen machten ihm jedoch mehr Mühe als Freude, was vielleicht dazu beitrug, dass er 1839 in eine dreijährige depressive Krise geriet. In dieser Zeit lebte er vollständig zurückgezogen in einem verdunkelten Zimmer. Er aß sehr wenig, was für seinen psychischen Zustand natürlich Gift war. Eine Freundin rettete ihn, weil sie, einem Traum folgend, ihm täglich Schinken, Wein und Zitronensaft brachte und ihn überredete, dies zu essen. Wieder genesen, war er wie verwandelt: Als er zum ersten Mal wieder seinen Garten betrat, war er so betroffen von der Schönheit der Blumen, dass er ihnen von da an eine Seele zuschrieb. Er kehrte auf den Lehrstuhl für Philosophie an die Universität zurück und entwarf in den nächsten Jahren Theorien und Modelle über den Zusammenhang zwischen materieller und geistiger Welt, die ihm späten Ruhm einbrachten. Letztlich legte er mit seiner "Psychophysik" und dem Verzicht auf reine Spekulation die Grundlagen für die Ende des 19. Jahrhunderts neu entstehende experimentelle und damit moderne Psychologie. Er starb 1887 im Alter von 86 Jahren, verehrt von Studenten aus der ganzen Welt. Quellen/Foto: Ellenberger, Die Entdeckung des Unbewussten, Diogenes
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