Verena Löffler:

Denkhilfe für Denker

 

Welcher "Denker" kennt das nicht: Tausend kleine Gedankennester im Kopf und ständig von einem zum anderen springend, rumhirnend, manchmal bis zum völligen Erliegen jeglicher Aktivität findet man sich irgendwann von seinen Gedanken dominiert wieder.

Gemäß dem psychographischen Ressourcenplan liegt unsere Erlösung im "Machen" - und auch wenn sich für den ein oder anderen Denker das Wort "Machen" erstmal erschreckend anhört, wird er nach etwas Übung in diesem feststellen, dass es eigentlich nichts Schöneres gibt.

Ich habe mich jetzt längere Zeit mit den Möglichkeiten befasst, wie man sich aus diesem Zustand befreien kann, bzw. gar nicht erst hineinkommt. Durch Gespräche mit Denkern und durch eigene Erfahrungen bin ich auf folgende Tipps gestoßen. Es handelt sich hierbei alles um praxiserprobte Tipps, die völlig gefahrlos ausprobiert werden können.

Verschieben des Hirnens auf einen anderen Zeitpunkt.

Sollte man sich gerade in einem Hirnprozess befinden, und ist schon so richtig drin, weiß aber genau, dass es jetzt eigentlich überhaupt nichts mehr bringt, mehr darüber nachzudenken, dann funktioniert es manchmal ganz gut, sich zu sagen, dass ich JETZT in Moment nicht mehr darüber nachdenken werde, mich aber auf alle Fälle morgen oder nächste Woche oder in zwei Stunden wieder ausführlich damit beschäftigen werde und jetzt lieber irgendeiner Aktivität nachgehe. Das Gute dabei ist, dass man meistens dann gar nicht mehr drüber nachdenken muß, weil sich manchmal das Problem dann löst, wenn man es gedanklich auch mal losläßt.

Schweigen ist Silber, Reden ist Gold

Das Sprichwort stimmt so zwar inhaltlich nicht, aber für uns Denker ist es genau so perfekt, da das Reden auch zum Bereich"Machen" gehört. Es können beim Reden die erstaunlichsten Erkenntnisse kommen. Manchmal habe ich tage- oder wochenlang an einem Thema gedanklich rumgekaut ohne zu einer Auflösung zu kommen. Dann kann es sein, ich spreche mit jemand darüber - dabei braucht der andere eigentlich gar nichts zu sagen - und innerhalb von kürzester Zeit spreche ich meine Lösung aus, ohne dass sie mir bisher bewußt war. Das erstaunt mich immer wieder auf´s Äußerste.

Denken ist Nebensache

Wenn ich sehr aufgewühlt bin durch irgendwelche Ereignisse, habe ich festgestellt, dass es am Besten ist, wenn ich mich nicht zum Denken hinsetze, um das ganze zu verarbeiten, sondern das Denken mehr als Nebensache sehe, indem ich z.B. ein ganz simples Computerspiel mache, bei dem ich nicht viel denken muß, oder ich koche etwas (Bügeln ist auch gut). Wichtig ist, eine Beschäftigung zu finden, die einem das Denken zwar ermöglicht, es aber nicht so im Vordergrund ablaufen zu lassen. Werner Winkler nennt diese Art zu Denken "halbbewußtes Denken". Die Gedanken sind zwar noch da, aber sie sind nicht so zwanghaft.

Mach´s einfach!

Gar nicht so einfach für uns Denker. Aber mit etwas Übung klappt es sehr gut. Wenn ich etwas vorhatte, dann habe ich erstmal alle Für und Widers gedanklich auf und ab laufen lassen, bis ich dann vielleicht tatsächlich was unternommen habe. Inzwischen versuche ich dieses Für und Wider zu unterbinden indem ich mich gedanklich zum aufhören zwinge. Ich sage mir z.B.: Hat es Dir bisher in Deinem Leben wirklich weitergeholfen, wenn Du stundenlang über ein Thema nachgedacht hast? Die Antwort ist für mich eigentlich immer Nein. Also macht es jetzt ja auch keinen Sinn das weiterhin zu tun, denn wie wir ja wissen, was nicht funktioniert, das brauchen wir auch nicht immer wieder zu machen. Und das Allerschönste ist, wenn ich was gemacht habe, was mich lange Zeit beschäftigt hat, dann ist in meinem Kopf ein Gedankennest weniger, das mich ständig beschäftigt. Und auf diese Art und Weise erledigen sich immer mehr von diesen Nestern, dass ich irgendwann mal nur noch wenige überschaubare habe, mit denen ich auch gut leben kann. Und je mehr man merkt, wie einfach das eigentlich ist, desto leichter fällt einem das Machen.

Aktiv Denken

Wenn sich das Denken mal nicht vermeiden läßt, sondern es wirklich ein wichtiges Thema gibt, über das man nachdenken muss, dann empfehle ich nur, es aktiv zu tun. Das heißt, sich mit dem Thema aktiv und bewusst in dem Moment auseinanderzusetzen. Vielleicht irgendwelche Aufstellungen dazu schreiben, Für und Wider, oder Skalen machen. Auf diese Art und Weise ist man dem Denken nicht ausgeliefert, sondern kann es steuern, was eine ganz andere Denkqualität hat. So verfällt man nicht so sehr ins Hirnen, sondern hat die Macht über seine Gedanken.

 

Autorin: Verena Löffler, Stuttgart

 

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