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Lehrbuch Psychographie - Menschenkenntnis mit System

 

 

 

 

Leseprobe S. 34ff.

Typenbilder der drei Grundtypen: Handlungstyp

 

 

 

 

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Typenbilder der drei Grundtypen: Handlungstyp

 

Von der theoretischen Seite des psychographischen Modells gesehen wird der Handlungstyp dadurch gekennzeichnet, dass er den Lebensbereich 'Tätigkeit' bevorzugt und dafür den Lebensbereich 'Beziehung' vernachlässigt. Dieser 'Beziehungsbereich' bildet somit seine 'Ressource', d. h. Lösungsansätze werden häufig in diesem Bereich zu finden sein. Umgekehrt lässt sich also schlussfolgern, dass Handlungstypen im Bezie-hungsbereich auch die meisten Schwierigkeiten haben.

Aus der bisher gesammelten Beobachtung von Handlungstypen ergibt sich folgendes Typenbild:

Weil der bevorzugte Lebensbereich der Handlungstypen das Tätigsein ist, sind sie praktisch veranlagte, kraftvolle Menschen, die deutlich zeigen, was sie können. Ihre Fähigkeiten werden deshalb von Kollegen, Kunden und Vorgesetzten besonders geschätzt; ihre Zuverlässigkeit macht sie für Führungsaufgaben hervorragend geeignet. Auch im privaten Bereich machen sie Tatkraft und Berechenbarkeit zu wertvollen Freunden. Dabei ist es nicht einfach, Handlungstypen als nahe Freunde zu gewinnen, denn Beziehungsdinge handhaben sie eher zurückhaltend. Für einen kollegialen Austausch über berufliche Angelegenheiten sind sie jedoch in der Regel aufgeschlossen.

Handlungstypen können streitlustig bis kampfbereit auftreten, vor allem, wenn es darum geht, einmal gesetzte Ziele zu erreichen. Dies führt häufig zu perfektionistischen bis zwanghaften Tendenzen. Sie sind regelmäßig bereit, Beziehungsaspekte (auch die Beziehung zum eigenen Körper und dessen Belastungsgrenzen) für ihre Karriere oder den Erfolg einer Bestrebung zurückzustellen. Für Handlungstypen ist ihre Arbeit (auch die Haushalts-, Garten- oder Erziehungsarbeit), ihr Schaffen und Können meist der Mittelpunkt ihres Lebens.

Handlungstypen sind durch die Tendenz zur 'Nein-Haltung' gekennzeichnet. Diese kann sich bis zu einer grundlegend negativen Weltsicht verfestigen, die ihnen jegliche Lebensfreude raubt. Verstärkend dafür kann auch das reflexartige Streben nach 'immer mehr' sein. Handlungstypen verpassen somit leicht den 'Genug-Punkt', der meist deutlich unterhalb ihrer Perfektionsbestrebungen liegt. Am Ende dieser Entwicklung steht nicht selten ein Zusammenbruch oder ein Herzinfarkt. Bei nicht erreichter Perfektion fühlen sich Handlungstypen verantwortlich bzw. schuldig, was den bereits aufgebauten Druck weiter verstärkt. Dies zeigt sich etwa in wiederholten Rechtfertigungen, auch vorbeugender Art ("Entschuldigen Sie bitte, dass ich nicht mehr Zeit für Sie einplanen konnte ...").

Im Umgang mit Macht sind Handlungstypen fair, gerecht und diplomatisch (solange es nach ihren Regeln läuft). Auch in der Elternrolle, die ihnen wie auf den Leib geschrieben ist, gehen sie voll auf ('Übermutter'/Patriarch). Dies bedeutet für sie aber eher das 'Tätigsein' zum Wohle der Familie als den Ausbau von persönlichen, auf gegenseitigem Wunsch nach Nähe basierenden Beziehungen. Für Handlungstypen ist Partnerschaft manchmal eher eine 'Arbeit' oder ein 'Arrangement' und weniger eine Beziehungsangelegenheit. Das könnte ein Grund für die zeitlich relativ stabilen Verbindungen sein, die bei ihnen zu beobachten sind. Auch wenn die Beziehungsebene nicht sehr beglückend erlebt wird, funktioniert doch die praktische Seite des Zusammenlebens, also existiert kein Anlass für eine Änderung. Weniger Beziehung wirkt paradoxerweise stabilitätsfördernd. Deshalb erproben Handlungstypen ihre Beziehungsfähigkeit statt mit dem Partner auffallend oft lieber mit ihren Kindern, Enkeln, engen Freunden, Haustieren, Pflanzen oder bei der Beschäftigung mit einem Steckenpferd.

Die Kombination von Handlungstyp-Persönlichkeit und übertriebenem Machtstreben kann ganze Gruppen in ein Korsett aus Regeln, Ordnungswut und Betriebsamkeit zwängen. Dabei schützen sich Handlungstypen vor zu nahen Beziehungen durch abstandwahrendes, aber korrektes Verhalten. Dies ist nicht nur in Familien, sondern oft auch in Firmen, Organisationen oder staatlichen bzw. kirchlichen Institutionen zu beobachten.

Auffallend bei Handlungstypen ist die gezielte Auswahl von Kleidung oder Schuhen, bei der qualitativ hochwertige Markenware bevorzugt wird. Genauso typisch ist die Eigenart, den Küchenbereich und das Bad besonders sauber zu halten - oft wird sofort nach (oder bereits während) dem Kochen damit begonnen, die benutzten Utensilien sauber zu machen und wieder ordentlich an ihren Platz zu räumen. Schreibtische und Gärten von Handlungstypen bestechen gewöhnlich durch vorbildliches, ordentliches Aussehen (besonders bei Rentnern).

Ebenfalls kennzeichnend für Handlungstypen ist das Bedürfnis nach ungestörtem Schlaf. Auf Unterbrechungen der nächtlichen Ruhe (z. B. durch Lärm) reagieren sie besonders ärgerlich. Handlungstypen schlafen gerne vor dem Fernseher bzw. auf dem Beifahrersitz ein oder profitieren von einem kurzen Nickerchen in Pausen. Der Gang zum Arzt wird von Handlungstypen nach Möglichkeit vermieden. Krankheiten werden als Zumutung erlebt; erst wenn es 'nicht mehr anders geht' (wenn die Beschwerden die Leistungsfähigkeit reduzieren), suchen sie fachliche Hilfe. Mediziner sollten also dramatische Äußerungen von Handlungstypen über ihr Befinden besonders ernst nehmen und rasch reagieren.

Zu den typischen Erkennungszeichen von Handlungstypen gehören noch hohe Verantwortungsbereitschaft, ausgeprägtes Pflichtbewusstsein, Trinkfestigkeit und Mangel an Fantasie.

 

typische Handlungstyp-Merkmale in Stichworten:

- stärkste Seite: aktive Tätigkeiten, berufliches Engagement

- schwächste Seite: Beziehungsfähigkeit im privaten Bereich

- vorherrschende Grundhaltung eher 'Nein'

- ihre Arbeit ist ihr Lebensmittelpunkt

- praktisch veranlagt, ihr Können wird geschätzt

- pflicht- und verantwortungsbewusst, ergebnisorientiert

und zielgerichtet, Leitmotiv: 'viel hilft viel'

- reizbar, kämpferisch und streitlustig

- im Amt diplomatisch, Macht wird fair gehandhabt

- privat harmonie- und ruhebedürftig, berechenbar

- brauchen unbedingt genügend Schlaf zur Regeneration

- spüren Warnzeichen für Überlastung häufig zu spät

- hohe Erwartung an Perfektion und Ordnung

- zeigen öffentlich selten Schwächen

- empfinden Krankheiten oder Schmerzen als Zumutung

- Gang zum Arzt wird vermieden bzw. hinausgezögert

- typische Beschwerden: Herzinfarkt, Schlafstörungen,

Zusammenbrüche, Kontrollzwänge, Verbitterung

- starker Gerechtigkeitssinn, aktiver Einsatz gegen Unrecht

- wenig Fantasie und Bereitschaft, Neues auszuprobieren

- rechtfertigen sich besonders häufig

- beachten Zahlen stärker als andere (z. B. Geburtstage)

- verschulden sich bereitwillig, wenn Gegenwerte da sind

- gute Beziehung zu 'ihren' Tieren (Hunden, Katzen, Pferden)

- ordentlicher Garten, sauberes Bad, aufgeräumte Küche

- hochwertige Kleidung und Schuhe werden bevorzugt

- trinkfest, unter Alkohol lustig und gelöst

- lassen sich nur schwer auf psychologische Themen ein

 

Anmerkung: Die Typmerkmale stellen eine Tendenz dar. Sie sollten nicht nur durch Selbstüberprüfung, sondern auch im Urteil von nahe stehenden Personen gewertet werden. Das Gesamtbild im Vergleich mit den anderen Typenbildern ist ausschlaggebend.