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Lehrbuch Psychographie - Menschenkenntnis mit System

 

 

 

 

Leseprobe: S. 38ff.

Typenbilder der drei Grundtypen: Beziehungstyp 

 

 

 

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Typenbilder der drei Grundtypen: Beziehungstyp

Was für Handlungstypen eine schwierige Angelegenheit ist, fällt Beziehungstypen eher leicht: private, persönliche Beziehungen knüpfen. Dafür haben sie es mit dem Lebensbereich 'Zeit' schwer.

Zum Bereich 'Zeit' gehören auch Themen wie 'Existenz', 'Dasein' oder Geld. In diesen Dingen sind Beziehungstypen weniger daheim, sie müssen sich darin erst anhand von Lebenserfahrungen einrichten. Wenn man Beziehungstypen fragt, wie es ihnen geht, sagen sie oft "ich habe keine Probleme"; wenn sie leiden, dann an Zusammenhängen bzw. an der Gesamtsituation, nicht an einem speziellen Problem/Thema (vgl. S. 65ff.).

Für Beziehungstypen ist es völlig normal, sich für alles Mögliche zu interessieren. Pro Jahr ein bis zwei neue Interessensgebiete sind nichts Ungewöhnliches für sie. Dabei genügt ihnen meist eine oberflächliche Information; für die genauen Einzelheiten sind sie nur zu begeistern, wenn sie zum Thema irgendwie in besondere Beziehung kommen. Erst dann wird aus der eher kindlichen Neugier ein ernsthaftes Interesse, für das sie auch bereit sind, ihre Zeit und ihr Geld zu opfern. Oft hängt das Interesse von Beziehungstypen damit zusammen, dass eine zwischenmenschliche Komponente im Spiel ist.

Überhaupt lieben sie es bunt und vielfältig. Sie sprühen manchmal nur so vor Ideen, sie sind innovativ und fantasievoll, nur fehlt ihnen meist die Geduld, begonnene Projekte zu pflegen, um dann deren Früchte zu ernten. Gut für Beziehungstypen ist es, wenn in ihrem 'Team' genug Sachtypen dabei sind, die sich um Details, Konstanz und Finanzen kümmern. Vermutlich werden es aber Handlungstypen sein, die für den Erfolg verantwortlich zeichnen, denn in deren Händen werden Projekte offensiv in die Tat umgesetzt.

Beziehungstypen zeigen, besonders in Beziehungsdingen, schauspielerische Begabung. Sie können in den jeweiligen Rollen völlig aufgehen. Dabei sparen sie nicht an Dramatik; der Satz: "bei Beziehungstypen jeweils die Hälfte abziehen, dann kommt man der Wahrheit nahe" bestätigt sich immer wieder. Mit diesen Fähigkeiten sind Beziehungstypen aber genau die Richtigen, wenn es darum geht, andere für Ideen und Projekte zu begeistern oder schöne Dinge zu verkaufen. Sie lassen sich von Kritik, solange sie sich geliebt fühlen, nicht sofort bremsen. Im Gegenteil: Beziehungstypen nutzen Kritik umgehend und freuen sich darüber, dass man sich für sie Zeit nimmt.

Für Beziehungstypen ist es wichtig, dass sie als attraktiv oder anziehend gelten. Unter Ignoranz oder Desinteresse leiden sie aber nicht so sehr wie andere; für sie ist es nur der Ansporn, noch mehr Intensität in ihre Bemühungen zu legen. Gerne setzen sie ihr weit gefächertes Beziehungsnetz ein, um eine Sache voranzubringen. So können Beziehungstypen etwa eine größere Veranstaltung innerhalb kurzer Zeit durch einige Telefonanrufe auf die Beine stellen.

Kennzeichnend für Beziehungstypen ist, dass sie leiden, wenn sie sich ungeliebt oder hilflos erleben. Genauso schlimm ist es für sie, wenn man sie von fachlich kompetenter Seite als dumm darstellt.

Die Wohnungen (Büros, Zimmer) der Beziehungstypen lassen etwas von ihren vielfältigen Interessensgebieten ahnen. Häufig findet sich darin (wie auch in ihrer Vorstellungswelt) eine Sammlung von allerlei 'Schönem, Wahrem und Gutem'. Beziehungstypen mögen es auch in ihrer Umgebung farbig, sie setzen die Gegenstände liebevoll in Beziehung zueinander, verbinden scheinbar nicht zusammengehörige Accessoires nur durch die Art der Dekoration. Dabei haben sie stets die Wirkung im Blick, manchmal geht dieses 'Perfekt-Haben-Wollen' über die Grenzen des (für andere) Erträglichen oder ihres Geldbeutels hinaus.

Typisch für Beziehungstypen - vor allem in jungen Jahren - ist ihre Gutgläubigkeit. Sie müssen das Zweifeln und das kritische Denken erst mühsam lernen. Dies kann zum Beispiel dazu führen, dass Beziehungstypen drei sich widersprechende Ansichten für wahr halten. Meist wird dies als Fähigkeit zu positivem Denken oder Offenheit in Erscheinung treten und wenig Schaden anrichten. In existenzieller Hinsicht kann dieser Mangel an Sachlichkeit und Realitätssinn aber dazu führen, dass sich Beziehungstypen ungenau informieren und dadurch in Schulden oder Abhängigkeiten geraten. Die Folgen sind allzu oft geplatzte Träume oder Hilflosigkeit. Vergeblich halten sie dann nach einem 'Retter aus allen Nöten' Ausschau.

Dabei übernehmen Beziehungstypen liebend gerne selbst die Retterrolle für Dritte, auch auf Kosten des eigenen knappen Zeit- oder Geldkontos. Zu spät erkennen sie, dass sie das Opfer z. B. eines Aufmerksamkeit fordernden Menschen wurden (und dieser gar nicht 'gerettet' werden wollte). Dann bleibt nur noch die Flucht oder der Rückzug, was den darin geübten Beziehungstypen meist gut gelingt. Doch daraus kann emotionale Auszehrung oder übersteigertes Misstrauen resultieren. Es dauert aber lange, bis Beziehungstypen in einer leidvollen Situation tatsächlich ein Problem sehen. Aus gewohnheitsmäßiger Zufriedenheit können sie nur schwer Hilfe annehmen.

Auf andere Typen wirken Beziehungstypen häufig unernst, verspielt oder kindlich. Gerne benutzen sie Adjektive, um ihre Erzählungen anzureichern. Auch an ihrer künstlerischen, experimentierfreudigen oder ausgeschmückten Handschrift lassen sich Beziehungstypen manchmal erkennen.

 

typische Beziehungstyp-Merkmale in Stichworten:

 

- stärkste Seite: Beziehungen aufnehmen (nicht: pflegen)

- Defizit: Umgang mit Zeit, Geld, existenziellen Themen

- zögern selten, sagen häufig "Ja", kaum einmal "Vielleicht"

- finden rasch einen Draht zu fremden Menschen

- können gut mit Kindern umgehen, stellen viele Fragen

- kreative Anlagen bereits früh sichtbar

- kindliche (und neugierige) Seiten bleiben lange erhalten

- wirken oft verspielt und unernst, zeigen wenig Realitätssinn

- sind vielseitig interessiert, aber meist nur oberflächlich

- mangelnde Konzentrationsfähigkeit

- erkennen Zusammenhänge gut, können zusammenfassen

- kommen mit Kritik gut zurecht und nutzen sie

- selten unzufrieden; nehmen nur schwer Hilfe an

- können sich schwer auf ein Thema festlegen

- dramatisieren öfters Situationen ohne Notwendigkeit

- schätzen (neues) Wissen und aufregende Erkenntnisse

- eher gutgläubig, unvorsichtig und unkritisch

- leiden, wenn sie sich hilflos, ungeliebt oder dumm erleben

- mischen sich gerne ein, können sich nur selten heraushalten

- ideenreich, innovativ, fantasievoll, schauspielerisch begabt

- positives Denken stark ausgeprägt, können kaum zweifeln

- offen für Neues und Unbekanntes

- zeigen durch Mimik und Grimassen, was in ihnen vorgeht

- freigiebig, friedliebend, spielerischer Umgang mit dem Leben

- kommen mit wenig Aufmerksamkeit gut zurecht

- leiden häufig unter Zeit- oder Geldproblemen

- glücklich, wenn sie genügend Zeit und Geld haben

- erfolgreich, wenn sie sich auf ein Thema konzentrieren

 

Anmerkung: Die Typmerkmale stellen eine Tendenz dar. Sie sollten nicht nur durch Selbstüberprüfung, sondern auch im Urteil von nahe stehenden Personen gewertet werden. Das Gesamtbild imVergleich mit den anderen Typenbildern ist ausschlaggebend.