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aus Nr. 10, März 2004, Autor: Werner Winkler
25 Jahre Psychographie: Vorurteilsfalle oder Verständnisvorsprung?
Moment, werden Psychographiekundige sich jetzt vielleicht denken, 25 Jahre soll die Psychographie bereits alt sein? Galt nicht 1990 und die Veröffentlichung von "Der Andere" durch Dietmar Friedmann bisher als die 'Stunde Null'? Auf Nachfrage erinnerte dieser sich nun daran, dass ihm bereits 1980 anhand des "Drama-Dreiecks" (von Stephen Karpman) ein wesentlicher Aspekt der später 'Psychographie' getauften Typologie aufging: Jeder von uns bevorzugt und vermeidet in problematischen Kommunikationssituationen eine der drei meist unbewussten und unbeabsichtigten Spiel-rollen "Retter", "Opfer" oder "Verfolger". Es gibt also eine Lieblingsrolle und eine Vermeidungsrolle - und damit war die typische Prozessrichtung entdeckt. Aus dieser Grunderkenntnis einer Spannung zwischen bevorzugter und vernachlässigter Option bildete nun Friedmann die ersten Triaden - Prozesskreise, die in vorgegebener Richtung einen Lösungsweg aufzeigen. Führt die Aussage, Sachtypen nähmen bevorzugt und reflexiv die "Opferrolle" ein, nur in eine Vorurteilsfalle, die Beobachter und Beobachteten (etwa in einer Bewerbungssituation) einengt? Die Antwort fiele leicht, würde sich nicht gleichzeitig ein Ausweg zeigen - in diesem Fall nämlich eine Haltungs- oder Verhaltensänderung in Richtung "Ziel-Verfolger" oder "mitverantwortlicher Täter". Die vermeintliche Falle entpuppt sich also bei näherer Betrachtung als sinnvolles, weil richtungsangebendes Notausgangs-Schild in einem auch ohne diese Vorannahme auftretendem Interaktionsmuster. Wer in Richtung 'Vorurteile' den Finger hebt, wenn von Typen die Rede ist, verwechselt augenscheinlich die Lösung mit dem benannten Missstand. Es mag für den Einzelnen unter Umständen etwas peinlich sein, so rasch auch mit seinen Schattenseiten entlarvt zu werden - jedoch gehören diese zu unserem Menschsein notwendigerweise dazu. Und sie dürfen nicht ausgeklammert werden, wenn tiefes und dem "Wesensakzent" (Klaus Fritz) jedes einzelnen einigermaßen angemessenes (Selbst-) Verständnis möglich werden soll.
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