Artikel aus Nr. 8, Juli 2003, Autor: Werner Winkler

 

Parodie: Psychographische Typunterschiede heiter bis bissig betrachtet ...

 

 Zur Untersuchung der psychographischen Typunterschiede bringt eine For-schungsgruppe je sechs Handlungs-, Sach- und Beziehungstypen für drei Jahre auf drei getrennte, einsame Inseln.

Als sie nach Ablauf der Zeit wieder hinfahren, finden sie folgendes vor: Auf der Handlungstyp-Insel stehen 12 solide Häu-ser und es gibt einen Friedhof, auf dem drei der sechs beerdigt sind. Einer ist am Alkohol gestorben, den er sich aus exotischen Früchten selbst gebraucht hat, der zweite an einem Herzinfarkt und der dritte aus Langeweile, als seine beiden Häuser fertig waren. Die drei Überlebenden siezen sich immer noch, haben jedoch seit Anfang eine wöchentliche Skatrunde und einen Sicherheitsdienst eingerichtet.

Auf der Sachtypinsel leben noch alle Be-wohner, die Hälfte der Vorratskisten steht seit Anfang ungeöffnet unter einem Baum am Strand. Alle sechs leben in einer Hütte, die sie erst letzte Woche in Erwartung der Gäste fertiggestellt und aufgeräumt haben. Fünf der Bewohner haben beim sechsten (einem Psychoanalytiker) seit drei Jahren eine Therapie laufen und nennen ihn "Mei-ster". Sie bitten die Forscher darum, noch einmal drei Jahre bleiben zu dürfen, bis sie sich eingelebt haben.

Auf Beziehungstyp-Insel schließlich er-wartet die Forscher eine kunterbunte Gartenanlage mit kleinen windschiefen, aber kreativ gebauten Häuschen. Überall laufen Haustiere herum und Papageien flattern in den Bäumen, deren Stämme bunt bemalt und mit Namensschildern versehen sind.

Von den Bewohnern fehlt jede Spur, nur ein Schreiben ist zu finden, in dem steht, dass die Gruppe letzten Monat mit einem selbstgebauten Kanu die Insel verlassen, nachdem man sie auch nach fast fünf Jahren noch nicht wieder abgeholt habe.

 

 

Auch im Rentenalter unterscheiden sich die drei Typen deutlich: Der Durchschnitts-Beziehungstyp-Rentner telefoniert ausgiebig mit seinen Kumpels, langweilt sich dann vor dem Fernseher bevor er in die Volkshochschule geht, um den letzten Kreativkurs mitzumachen, den er noch nicht kennt.

Der Handlungstyp-Rentner nimmt morgens seine Herzmittel (die er selbst großzügig dosiert), schneidet wie jede Woche die Hecke, mäht den Rasen, trinkt dabei drei Flaschen Bier und radelt zum ersten seiner zwei Teilzeitjobs.

Der Sachtyp-Rentner (in seiner extremsten Ausprägung) macht einen Spaziergang, bei dem er in diversen Banken seine Kontostände kontrolliert, verbringt dann zwei Stunden im Wartezimmer eines befreundeten Arztes, um die dort ausliegenden Zeitschriften zu lesen und sich an seiner Gesundheit zu erfreuen. Für den Nachmittag hat er sich eine Liste mit den Sonderangeboten aller Supermärkte in Reichweite zusammengestellt, wärmt sich die Reste vom Vortag nochmal auf und begibt sich mit leichten Depressionen früh ins Bett, um Heizungskosten und Licht zu sparen. 

 

 

 

 

 

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