Artikel aus Nr. 9, November 2003, Autor: Dijana Gerber

 

Die psychographischen Typen im Alter

Auszüge aus dem Vortrag auf dem 5. Psychographie-Tag am 4.10.03 in Stuttgart

 

Die Typunterschiede sind im Alter deutlich zu erkennen, je älter ein Mensch wird um so deutlicher benimmt er sich seinem Typ entsprechend. Nach meinen Beobachtungen al-tern die verschiedenen Typen sehr unterschiedlich. Das gleiche gilt auch für die Demenz. Die Erkrankung durchläuft einige Stadien bis zur vollständigen Vergesslichkeit, aber auch da ist der Typunterschied erkennbar. Alle erlernten Verhal-tensregeln werden vergessen, was bleibt sind angeborene Verhaltensweisen.

 

Dazu einige kurze Beispiele:

Der Sachtyp lebt, nach ersten Beobachtungen*, länger als die anderen Typen, seine Langsamkeit und die Konzentration auf ein Thema wird immer ausgeprägter, dadurch verlangt der Umgang mit diesem Typ sehr viel Geduld. Ein Antreiben bringt nur einen Rückzug in sein eigenes sachtypisches Verhalten, denn mit Kritik kann ein Sachtyp schlecht umgehen.

Der Handlungstyp ist im Alter und in der beginnenden Demenz immer noch ständig beim „Aktivsein"; da er sich nicht gerne ungefragt anfassen lässt - manche Fragen sinngemäß aber nicht mehr versteht - reagiert ein Handlungstyp häufig mit Abwehr und kann sogar zuschlagen.

Ein Beziehungstyp hingegen genießt und fordert die volle Zuwendung, lässt sich gerne anfassen und braucht auch die körperliche Nähe, um den Kontakt zur Außenwelt zu halten.

Eine andere Beobachtung: Nicht jeder alte Mensch spricht oder lebt vorwiegend in der Vergangenheit, auch da gibt es Unterschiede. Ein zukunftorientierter Typ plant auch im Alter immer noch seine Zukunft, wenn auch nicht mehr so weit in die Ferne wie in jungen Jahren. Ein Gegenwartstyp lebt 'im Hier und Jetzt' und kann seine Lebenssituation gut akzeptieren, nur ein vergangenheitsorientierter Mensch lebt ganz in der Vergangenheit und kann schwer loslassen**.

Auch bei den Untergruppen „Du-", „Ich-", „Wir-Bezug", „Fühler", „Macher", „Denker" gibt es diese deutlichen Unterschiede.

Die Kenntnis dieser Verhaltensweisen helfen den pflegenden Angehörigen und den Pflegepersonen mit alten Menschen besser umzugehen oder einen Zugang zu Heimbewohnern zu bekommen. Es können Strategien entwickelt werden um vorhandene Ressourcen zu erhalten und auftretenden Defiziten besser entgegen zu wirken. Meiner Meinung nach ist durch den typgerechten Umgang eine bessere individuelle Betreuung und Pflege möglich - genau das wünschen wir uns als Fachleute auch.

 

* hierzu sammle ich zur Zeit im Rahmen des 'Instituts für fachwissenschaftliche Psychographie' Datenmaterial - wer von einem Verstorbenen den Typ sicher sagen kann (nur Grundtyp), kann mir folgendes übermitteln: Typ, Alter, Todesursache (sofern bekannt).

E-Mail: digerb@gmx.de www.dijana-gerber.de

Anschrift: Im Zollstock 30, 67454 Haßloch

** Zahlreiche Beispiele finden sich im aktuellen Buch von Werner Winkler und Dijana Gerber "Lösungsorientierte Menschenkenntnis - Psychographie für Altenpfleger

(Band 5)", ISBN 3-9808378-4-X, ¤ 15,--

 

 

 

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