![]() |
||||||||||||||||
|
1. März 2005, Autor: Werner Winkler
Verschiedene Typen -
verschiedene Sprachen
"Verhält sich jemand anders als wir selbst, so fehlt uns dafür oft die Wahrnehmung. Wir schenken dem keine Beachtung und Bedeutung. (...) Die interessantesten Neuentdeckungen dabei sind, daß es persönlichkeitsspezifische Sprachen und Wertesysteme gibt." (Dietmar Friedmann, 1990)
Die drei 'Stationen' einer psychographischen Triade wurden von Friedmann und mir selbst bekanntlich mit verschiedenen Begriffen benannt. Während Friedmann z.B. von "Persönlichkeitsbereich" spricht, verwende ich lieber "Bevorzugung", wenn er sagt "Entwicklungsbereich", denke ich "Vernachlässigung" oder "Ressource". Trotzdem meinen wir das Gleiche - z.B. dass für einen "Denker" das "Machen" (der nächste Schritt in der Triade) eben nicht das ist, was für ihn einfach ist, sondern eher schwer. Früher sagte man hierzu "Tugend" und meinte etwas, wozu wir uns überwinden müssen, das aber außergewöhnliche Fortschritte bewirkt. Da ich seit längerem dieses Phänomen unterschiedlichen Sprachgebrauchs beobachte, meine ich, eine gewisse Regelmäßigkeit innerhalb der Typgruppen beobachtet zu haben: Ich benutze im Folgenden eine Tabelle, in der die häufig verwendeten Wörter zu jedem Bereich einer Triade unter den drei Typen stehen. Station
Typ Beziehungstyp Sachtyp Handlungstyp Bevorzugung leicht, langweilig,
gewöhnlich, reflexartig normal,
selbstverständlich,
gewohnheitsmäßig nicht zu
ändern, zwangsweise, "muss so sein" Vernachlässigung/ schwer,
beängstigend, ungewohnt mühevoll,
riskant, fehleranfällig,
kraftraubend keinen Nerv dazu,
nervig, anstrengend Ergebnisbereich/ sinnvoll, reizvoll,
fesselnd, evtl. mit dem Wunsch versehen, es
zurückzunehmen zufriedenstellend,
als Ziel attraktiv, unerreichbar beglückend,
Spaß machend, verboten, nicht
erlaubt Praktisches Beispiel: Die Triade JA/VIELLEICHT/NEIN Erlebt der Beziehungstyp das JA als leicht, reflexartig und gewöhnlich (weil es seinem bevorzugten Verhaltensmuster entspricht), ist es für den Handlungstyp nervig und anstrengend (bei ihm ist das JA die vernachlässigte Option). Diese Unterschiede sind ja bereits ausführlich beschrieben worden. Worum es mir hier geht, ist die Verschiedenartigkeit der Wortverwendung, z.B. im Ergebnisbereich (also der dritten Station einer Triade). Am Beispiel der Triade JA//VIELLEICHT/NEIN sieht das so aus: - der Beziehungstyp erlebt das NEIN (seine dritte Station) als sinnvoll oder mit dem Wunsch versehen, es zurückzunehmen - hier kommt es offensichtlich darauf an, ob er zuvor die zweite Station, das VIELLEICHT, ausreichend berücksichtigt hat - für den Sachtyp erscheint das JA (seine dritte Station) zufriedenstellend oder unerreichbar - bei ihm entsteht der 'Qualitätsunterschied' durch die Einbeziehung des NEINs in seinen Entscheidungsprozess; springt er gleich vom VIELLEICHT zum JA, entwischt es ihm leicht oder er kann überhaupt nicht erkennen, was er denn will - ein Handlungstyp dagegen sieht im VIELLEICHT (seine dritte Station) etwas, das ihm durchaus Spaß machen kann (wenn er zuvor ein JA für möglich zugelassen hat) aber genauso gut kann er es als etwas Verbotenes, Tabuisiertes auffassen (z.B. das Zweifeln an einer negativen Meinung über einen fremden Menschen) Was bedeutet das für die Kommunikation? Wenn wir es mit einem anderen Typ als dem eigenen zu tun haben, stimmen vermutlich unsere Ableitungen, Bewertungen und Reaktionen nicht mit dem überein, was unser Gegenüber aus seiner Sicht erwarten würde. Sage ich als Beziehungstyp z.B., dass mir das VIELLEICHT "schwer fällt und mich ängstigt", hat das für einen Sachtyp eher zu viel Gewicht und für einen Handlungstypen eher zu wenig. Oder wenn ich von einem Handlungstyp höre, dass er etwas als "beglückend" erlebt, ist das für mich als Beziehungstyp nichts Außergewöhnliches, denn "glücklich oder unglücklich sein" ist mein tägliches Brot - für den Handlungstyp jedoch wie Kaviar mit Champagner. Auf den ersten Blick mögen solche Erkenntnisse erschrecken und die Frage aufwerfen, wieso sich Menschen dennoch irgendwie verstehen - mit etwas Übung im "typgerechten Zuhören" jedoch geht es fast wie von selbst und wir können weniger die Worte selbst als deren Qualität (sowohl in der Häufigkeit ihrer Benutzung als auch in ihrer Wertigkeit für den Sprecher) wahrnehmen - und vor allem: unsere eigenen, typspezifischen Zuordnungen zurückstellen. Das bedeutet dann einen enormen Sprung für das Verständnis des anderen und die Möglichkeit für eine viel passendere Reaktion (z.B. Ermutigung, Komplimente) auf das Gesagte als ohne Kenntnis psychographischer Typunterschiede.
Korrespondenzadresse: wewinkler@t-online.de
Copyright: Werner Winkler-Verlag 3/2005, Alle Rechte vorbehalten |