3. Februar 2005, Autor: Werner Winkler

 

Alternative Betrachtungsweise für die psychographischen Triaden

"Was uns verzaubert, lebt allein in den Leerräumen, die durch die Worte geschaffen werden. Es muss immer einen Raum des Schweigens geben." (Yasmina Reza)

Entwurf einer Metapher

Seit Dietmar Friedmann in den 1980er-Jahren die ersten Triaden (prozesshafte Regelkreise) für die Psychologie bzw. die Psychotherapie nutzbar machte, sind eine Vielzahl davon entdeckt worden (s. Liste aller bekannten Triaden).

Die Erfahrung zeigte, dass die "Bewegungsrichtung" innerhalb dieser Kreise/Dreiecke in eine Richtung leichter vonstatten geht als in die andere - anders ausgedrückt: die meisten Lösungsprozesse oder Fortschritte nehmen diese Richtung.

Der Autor schlägt nun vor, diese erprobte und bewährte Richtung durch eine Alternative zu ergänzen; zur Illustration verwendet er eine Metapher: Ein Binnenmeer, an dessen Ufer drei Hafenstädte liegen (s. Skizze) und auf dem Segelschiffe unterwegs sind.

Während also bisher in der Regel der (sichere) Weg entlang der Küste (unter Ausnutzung der vorherrschenden Windrichtung) eingeschlagen wurde, eröffnet die Metapher weitere Wege direkt über das Meer.

Dazu bedarf es einer (metaphorischen) Ergänzung der bisherigen "Landkarte": Bisher wurde (nach Friedmann) von drei "Lebensbereichen" ausgegangen, in die sich die ganze bekannte "Landschaft der Persönlichkeit" einteilen lässt. Die Ergänzung schlägt nun vor, von einer freien Fläche zwischen diesen Bereichen auszugehen, wobei diese ohne Namen ist und bleiben muss, da jede Benennung aus einer der drei "Bereichssprachen" käme und somit nicht für alle Gültigkeit beanspruchen könnte.

In der Konsequenz hieße das, von einem "vierten" Bereich innerhalb der Persönlichkeit (und innerhalb jeder Triade) auszugehen, der von allen drei Persönlichkeitstypen gleichermaßen genutzt würde und über den eine Verständigung ohne die bekannten Typunterschiede möglich wäre. Wobei der Zugang zu diesem gemeinsamen Bereich natürlich typspezifisch bliebe und auch das Erleben dieses Bereichs.

Vielleicht handelt es sich hier um ein Phänomen, das Dietmar Friedmann bereits vor Jahren während eines längeren Gesprächs mit mir auszudrücken versuchte und das mir auch bekannt war - wir experimentierten mit den Begriffen "spirituelle Dimension" oder "Reifungsgrad". In seinen Büchern spricht Friedmann so auch von "weniger-" oder "weiter entwickelten" Typen. In der Metapher gesprochen könnte das bedeuten: Wieviel Erfahrung hat jemand mit der Fahrt über das Meer?

Auch könnte diese Ergänzung die Beobachtung in Worte fassen, dass es über die Typgrenzen hinweg "Geistesverwandschaften" gibt oder dass bei verschiedenen Paaren (oder in verschiedenen Phasen der Partnerschaft) die "Liebe" unterschiedliche Ausmaße annimmt. Auch das könnte von gemeinsamer Erfahrung auf dem "Meer ohne Namen" herrühren.

Wenn ich mich dennoch auf ein einziges Wort dafür festlegen müsste, würde ich momentan "das Leben an sich" wählen.

Ich bitte, diesen kurzen Artikel als eine Einladung zur Diskussion anzusehen, nicht als zwingende Erweiterung des psychographischen Modells.

 

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