Die Lithium-Story

oder: wie ein Mineralstoff zu seinem zweifelhaften psychiatrischen Ruf kommt.

 

Ein scheinbar ganz normales Mineral: silberweiß, 1817 entdeckt, kommt überall auf der Welt vor, wird industriell genutzt.

Bis jemand (1886) merkt, dass es als Medizin bei manisch-depressiven Patienten Rückfälle verhindert. An Lithiummangel denkt damals noch niemand - Mineralstoffmangel ist unbekannt und Vitamine kennt man noch nicht. Erst nach dem 2. Weltkrieg beginnt man mit dem verstärkten Einsatz von Lithium: es wird übertrieben, die hohen Dosierungen führen zu Todesfällen, in manchen Ländern wird Lithium als Medikament ganz verboten.

Bis heute gibt es keine offizielle Zufuhr-Empfehlung, es kommt in kaum einem frei verkäuflichen Präparat vor, die Forschung liegt fast vollständig brach (da es sich nicht mehr patentieren lässt, ist es -wie andere Mineralstoffe und Vitamine- für die Pharma-Forschung fast uninteressant). Wenigstens das Bundesgesundheitsministerium fördert kleinere Studien.

Die tägliche Aufnahme in Deutschland wird mit 1-2,5 mg angenommen - gefordert werden (von wenigen Fachleuten) aber bis zu 10mg. Liegt also ein genereller Mangel vor? Lithium kann bei seelischer Verstimmung bereits in kleinsten Mengen hilfreich sein - herausfinden lässt sich die Wirkung indem man frei erhältliche lithiumreiche Heilwässer an sich selbst testet (z.B. Hirschquelle mit ca. 1mg/l oder Bad Mergentheimer Albertquelle mit über 13mg/l - ein Lieferantenverzeichnis erhält man bei der Kurve-waltung Bad Mergentheim unter Tel. 07931 - 965 - 126). Auch in der Limonade "Seven-Up" soll es enthalten sein, eine Antwort des Herstellers steht jedoch aus.

 

Bei Recherchen im Internet las ich, auch in Coca-Cola sei Lithium enthalten. Die angegebene Menge war so hoch, dass eigentlich eine Verschreibungspflicht angebracht wäre; das machte mich stutzig und ich begann, der Sache nachzugehen: Telefonate mit den Verfassern der Quelle (Professoren an der Uni Jena), Mails an Coca-Cola (von dort das eindeutige Dementi: "Cola enthält kein Lithium") und schließlich, nachdem mir niemand sagen konnte, woher über 10mg Lithium pro Liter Cola herstammen sollten, der Gang zum Labor mit einer originalverschlossenen Coladose in der Hand. Ergebnis der Untersuchung: eine Lithium-Menge, die der im Leitungswasser üblichen entspricht (also sehr wenig).

Erneute Briefe nach Jena (Prof. Anke hat leider noch kein Mail) - endlich die Lösung des Rätsels: bei der Übersetzung der in Englisch verfassten Studie ins Deutsche wurde bei den Mengenangaben aus "Microgramm" einfach "Milligramm" gemacht - eine Verschiebung um das 1000-fache! Dabei waren die Zahlen bereits 1991 veröffentlich und seitdem mehrfach zitiert worden. Erstaunlich vor allem deshalb, weil diese Zahlen tatsächlich die Verschreibungs-pflicht von Coca-Cola, Bier, Wein und Sekt hätte zur Folge haben müssen.

Frage: wer liest wissenschaftliche Untersuchungen, die solch weitreichende Fakten enthalten? Meine gelegentlichen Bedenken gegenüber der Fachwelt sind durch diese Episode nicht gerade weniger geworden.

Ein gesundheitlicher Tipp: lassen Sie bei nächster Gelegenheit Ihren Lithium-Wert im Blut vom Arzt bestimmen - der Verdacht existiert, dass viele Deutsche unter einem Lithium-Mangel leiden, die Verantwortlichen aber die Lage 'verschlafen'...

 

Bei einer Buchrecherche im "Zentralen Verzeichnis Antiquarischer Buchhandlungen" (www.zvab.de) fand ich neulich einen interessanten Eintrag zu einem Buch:

"Lange, Carl: Periodische Depressionszustände und ihre Pathogenesis auf dem Boden der harnsauren Diathese, Hamburg-Leipzig Voß 1896 OBr., 56 S. - deutsche EA. Karl Georg Lange (1834-1900) errichtete in Kopenhagen eine Klinik für Nervenkrank-heiten und Elektrotherapie. Seit 1876 war er Professor der pathologischen Anatomie und allgemeinen Pathologie ebendort. Er publizierte mehrfach über psychiatrische Themen. In dieser Monographie (deutsche Übersetzung von Hans Kurella nach der 2. dänischen Ausgabe) berichtet er über Therapieerfahrungen an Patienten mit depressiven Phasen nach den Prinzipien der The-rapie der harnsauren Diathese. Affektive Psychosen wurden nach einer Theorie von Garrod als "Kopfgicht" betrachtet und wie Gicht behandelt. Heutige Berechnungen haben ergeben, daß bei dieser Diät praktisch eine Lithium-Prophylaxe durchgeführt wurde mit ähnlich guten Erfolgen wie heute (vgl. auch Garrison/Morton 1883.01), auch wenn die zugrundeliegende Theorie falsch war."

Ist es nicht erstaunlich, dass schon vor über 100 Jahren Dinge bekannt waren, die bis heute viele Ärzte nicht wissen? Bei einer Lesung in Bayern sprach mich kürzlich z.B. ein Zuhörer an: Er habe bei einer Routine-Blutuntersuchung bemerkt, dass der Wert für "Lithium im Blut" bei "0,0" lag.

Als er seinen Arzt darauf ansprach, meinte dieser, er müsse deswegen nicht besorgt sein, Lithium würde nur als Medikament in der Psychiatrie verwendet und für ihn nicht wichtig sein.

Dabei litt er in letzter Zeit unter einem schlechten Immunsystem und aggressiven Tendenzen - beides bekannte Wirkungen einer Unterversorgung mit dem lebenswichtigen Mineralstoff Lithium.

Dazu noch ein Zitat von Dr. P. Schleicher, München (Spurenelemente und Vitamine in der Immunologie, in Holtmeier/Kruse-Jarres: Zink, WVG, 1991):

"Von der klinischen Wirksamkeit auf das humorale und zelluläre Abwehrsystem muß jedoch bei folgenden Spurenelementen und Vitaminen ausgegangen werden: Zink, Lithium, Selen, Magnesium, Mangan, Vitamin A, Vitamin C, Vitamin E."

Eine ausreichende Versorgung mit Lithium ist also nicht nur hinsichtlich einer möglichen psychisch-mentalen Komponente sinvoll, auch das Immunsystem benötigt es für eine optimale Funktionsfähigkeit. So ist vielen Zeitgenossen etwa nicht bewusst, dass Menschen, deren Immunsystem auf Grund einer Organtransplantation künstlich unterdrückt wird, ein 100-fach höheres Risiko haben, an Krebs zu erkranken (das entspricht einer Steigerung von 10.000%).

Noch eine Neuigkeit zum Thema: Seit kurzem bietet der holländische Versandhänd-ler "Supplementa" ein frei verkäufliches Lithium-Präparat mit 5 mg/Einheit an. In der Apotheke fragt man bisher vergeblich nach einem solchen (außer, der Apotheker weiß, dass in "Togal Classic" pro Tablette ca. 3,5 mg Lithium enthalten sind).

Internetadresse: www.supplementa.com

Telefon 01805 - 23 42 70 (12 Cent/Minute)

 

 

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