Artikel aus Nr. 6, November 2002, Autorin: Christa Roller

Psychographische Unterstützung von Kindern und Jugendlichen bei der Entfaltung ihrer Persönlichkeit

Auszüge aus einem Vortrag, den Christa Roller, Denkendorf,auf dem 1. Psychographie-Tag 1999gehalten hat und der maßgeblich zur Beachtung dieses Themas innerhalb der Psychographie beitrug.

Bevor ich auf das Thema eingehe, möchte ich berichten, wie ich die Psychographie kennen und schätzen gelernt habe: Als Tobias (mein Sohn) unterwegs war, habe ich angefangen, Bücher über Entwicklung und Erziehung von Kindern zu lesen. Als er dann auf der Welt war, war alles ganz anders, als es in den tollen Büchern stand. Auch ein später besuchter psychologischer Kurs für Eltern half nicht viel weiter (vermutlich, weil mein Sohn meine 'Ich-Bot-schaften' nicht verstand).

1996 lernte ich dann während meiner Ausbildung an der Paracelsus-Schule Dr. Dietmar Friedmann und mit ihm die Psychographie kennen. Als erstes erkannte ich mich als Handlungstyp und mir wurde klar, warum ich immer alles einhundertprozentig machen wollte. Als zweites erkannte ich mein Kind, meinen Mann (und unseren Hund) als Sachtypen.

Also versuchte ich, mit Tobias typgerecht umzugehen - und es klappte wunderbar. Er wurde offener, gesprächiger und vertrauensvoller. Wenn ich jedoch in mein handlungstypisches Verhalten ihm gegenüber zurückfalle, wird er bockig, zornig, still oder traurig. So habe ich in der Psychographie das gefunden, was ich die Jahre zuvor erfolglos gesucht hatte.

Meine Erfahrung ist: was Friedmann und Fritz über Erwachsene schreiben, kann man auch auf Kinder übertragen.

Was mir persönlich hinsichtlich meines Themas sehr wichtig erscheint, sind folgende Punkte:

1. Wenn man die Kinder in ihrem "Persönlichkeitsbereich" (also ihrer typischen Art) nachahmt (pacing), fühlen sie sich besser verstanden als wenn man nur in der Weise kommuniziert, die dem eigenen Typ entspricht (z.B. mit einem BT-Kind lebendig, mit einem ST-Kind sachlich-gelassen, mit einem HT-Kind kraftvoll-aktiv).

2. Wir müssen die typspezifische Sprache der Kinder sprechen und verstehen lernen

(z.B. das ausführliche, von Pausen durchzogene Kommunizieren des Sachtyps).

3. Typische Eigenheiten der Kinder benötigen unser Verständnis und Akzeptanz (z.B. das BT-Kind und seine Beziehung zu seiner Kleidung oder das Wissen, dass ST-Kinder keinerlei Kritik vertragen).

4. Kinder müssen typgerecht für die Schule, ihren späteren Berufsziele und beim Lernen unterstützt werden (das heißt vor allem, die Kinder je nach Typ in ihren 'Schlüsselfähigkei-ten' zu fördern; z.B. beim HT-Kind Spielerisches, Lachen und Spaß).

5. Verschiedene Typen benötigen verschiedene Arten von Zuwendung (z.B. brauchen BT-Kinder liebevolle, HT-Kinder respektvolle und ST-Kinder ernstnehmende Zuwendung).

 

 

Copyright: Winkler-Verlag, 7/2004, Alle Rechte vorbehalten