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Buchrezension von Günter Hiller: Walter Simon (Hrsg.), Persönlichkeitsmodelle und Persönlichkeitstests (GABAL-Verlag, Frankfurt), 79 Euro.
Persönlichkeitsmodelle und -tests im Vergleich Falls man sich in Buchläden oder im Internet auf die Suche begibt nach Persönlichkeitsmodellen, Persönlichkeitstypologien und Persönlichkeitstests, wird man häufig von einer unübersichtlichen Menge an Angeboten "erschlagen". Um sich in diesem Dschungel der Angebote zurechtzufinden ist man dankbar für Wegweiser bzw. Orientierungshilfen, die einem einen groben Überblick verschaffen über die bekanntesten Modelle, die sich auf dem Markt befinden. Im Jahre 2002 hat der GABAL-Verlag so ein Überblickswerk veröffentlicht, herausgegeben von Martina Schimmel-Schloo, Lothar J. Seiwert und Hardy Wagner: Persönlichkeitsmodelle. Die wichtigsten Modelle für Coaches, Trainer und Personalentwickler: Alpha-Plus, Biostruktur-Analyse, DISG, Enneagramm, H.D.I., Insights MDI, Interplace, LIFO, MBTI, TMS (mit CD-ROM). Die Autoren wählten zehn Persönlichkeitsmodelle aus, die im deutschsprachigen Raum bekannt sind aufgrund "ihrer Marktpräsenz, ihres Bekanntheitsgrads, ihrer Seriosität und ihrer wissenschaftlichen Fundierung" (S. 8). Mittlerweile ist das Nachfolgewerk (ebenfalls im GABAL-Verlag) erschienen, diesmal herausgegeben von Walter Simon unter dem Titel: Persönlichkeitsmodelle und Persönlichkeitstests. 15 Persönlichkeitsmodelle für Personalauswahl, Persönlichkeitsentwicklung, Training und Coaching. Offenbach 2006. Zu den zehn Modellen, die im Vorgängerwerk dargestellt werden, kommen noch hinzu: ASSESS, Big-Five, BIP, DNLA, LEA und OPQ32 (nicht mehr aufgenommen wurde das Interplace-Modell). Im ersten Teil des Übersichtswerkes gibt Simon unter anderem eine knappe Einführung über die Begriffsinhalte von Persönlichkeit und stellt die wichtigsten persönlichkeitstheoretischen Grundmodelle skizzenhaft dar (Typen- und Eigenschaftstheorien sowie dynamische, behavioristische, statistische und humanistische Theorien). Im Hauptteil des Buches werden 15 Persönlichkeitsmodelle bzw. Potenzialanalysen und Persönlichkeitstests dargestellt, zumeist verfasst von den jeweiligen Vertretern bzw. Geschäftsführern oder Lizenzinhabern der entsprechenden Modelle. Der abschließende dritte Teil befasst sich mit dem Vergleich der Aussagegüte der verschiedenen Persönlichkeitsmodelle durch Gegenüberstellung der Testauswertungen bezogen auf eine exemplarische Testperson. Das Buch richtet sich in erster Linie an (professionelle) Arbeits- und Testpsychologen, Personalberater und -entwickler, Managementtrainer, Coaches sowie Unternehmensberater, die daran interessiert sind, für ihre Klientel möglichst geeignete Instrumente und Testverfahren insbesondere zur Personalauswahl bzw. Personal- und Teamoptimierung zu finden. Simon gibt diesen Adressaten im Übrigen am Ende seines Buches in Form einer "Zwölf-Punkte-Checkliste für Entscheider" (S. 428ff.) entsprechende Auswahlkriterien an die Hand. Wer das Buch tiefgehend verstehen möchte, sollte seine Sprache sprechen. Begriffe wie Retest-Reliabilität, Alpha-Koeffizient, Augenschein-Validität, ipsatives Forced-Choice-Format sollten denjenigen Lesern geläufig sein, die zumindest die Kapitel über die Qualitätskriterien der Modelle wirklich nachvollziehen wollen. Ansonsten sind die meisten Abschnitte auch für einen interessierten Laien durchaus verstehbar; allerdings sind viele Passagen durchzogen von einer Art werbepsychologischem Sendungsbewusstsein, was kein Wunder ist. Denn die meisten Verfasser sind ja quasi die Anbieter ihrer Produkte: Sie wollen ihre Persönlichkeitsmodelle und -tests an den Mann/die Frau bringen. Insofern darf man auch keine kritische Auseinandersetzung mit ihren Modellen erwarten. Wer meint, durch die Lektüre einen einigermaßen fundierten Einblick in die jeweiligen Inhalte der Modelle zu erhalten, wird enttäuscht. Bereits Simon weist darauf hin: "Die Vertreiber investieren hohe Summen in die Entwicklung und Pflege ihrer Instrumente und erwarten daher natürlich eine Vergütung. Das bedeutet für den Leser, dass er in diesem Buch nur die Grundinformationen über diese Modelle bekommt" (S. 51). Wer sich also eingehend mit den einzelnen Theorien und Modellen auseinandersetzen möchte, kommt nicht umhin, entsprechende Bücher zu kaufen, die in den Literaturlisten aufgeführt sind oder Seminare zu besuchen, die von den Vertreibern angeboten werden. (Und das ist ja auch legitim.) Eine interessante Besonderheit des Buches liegt darin, dass eine so genannte "exemplarische Testperson: 60 Jahre, männlich, Deutscher, verheiratet, promoviert, Hochschullehrer, Wirtschaftstrainer und -berater" (S. 379) alle im Buch dargestellten Persönlichkeitstests selber durchgeführt hat. Insofern konnten die jeweiligen Ergebnisse miteinander verglichen werden. Die Frage war, ob es hohe Übereinstimmungen über alle Tests hinweg geben würde. Und tatsächlich: Die Testergebnisse stimmten zumindest tendenziell überein (vgl. S. 384f.) Allerdings ist dieses Resultat streng wissenschaftlich ohne jede Aussagekraft, da ja nur ein einziger Proband diese ganze Modellpalette durchgetestet hat. Dennoch weist dieses Ergebnis darauf hin, dass es ganz offensichtlich viele inhaltliche Übereinstimmungen zwischen den Modellen gibt (was teilweise nicht verwunderlich ist, da etliche Instrumente der gleichen oder einer ähnlichen Theoriequelle entspringen). Die für manchen Anbieter "fatale" Konsequenz daraus wäre, dass die Modelle letztendlich austauschbar wären, und für den Kunden hieße das: Warum zu überteuerten Testverfahren greifen, wenn schon billige zum gleichen (oder ähnlichen) Ergebnis kommen? In der Vorgängerausgabe (aus dem Jahr 2002) hat Hardy Wagner in seiner Einführung diese Konsequenz bereits angedeutet, indem er die verschiedenen Modelle in eine "synoptische Darstellung" (S. 29) brachte, so dass die gleichen oder zumindest ähnlichen Verhaltensgrundmuster über die Modelle hinweg deutlich erkennbar wurden. (Vergleiche die Modifizierung und Weiterführung dieser vergleichenden Darstellung bei Werner Winkler unter: www.psychographie.de/typologien-vergleich.htm.) Fazit: Das Buch von Walter Simon ermöglicht es dem Leser, sich im manchmal undurchschaubaren Gestrüpp verschiedener Persönlichkeitsmodelle und -tests eine Schleuse zu schlagen. Zwar vermittelt die Lektüre keinen tiefgehenden Einblick in diese Modelle, aber zumindest kann man sich umfassend orientieren und die Grundaussagen vergleichend zur Kenntnis nehmen. Allein das ist schon ein großer Gewinn.
Günter Hiller, Diplom-Pädagoge, Dozent an der Akademie für psychologische Fortbildung, Freiburg und Bern
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