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10. Juli 2006, Autor: Werner Winkler
"Friedmann-Psychographie" und
"Winkler-Psychographie" "Wenn zwei Menschen immer die gleiche Ansicht haben, ist einer davon überflüssig ..." (Churchill)
Verwendung des Begriffs
"Psychographie" Entwicklung der
Untertypen bei Friedmann 1996, in "Wer bin ich? Wer bist du?"7 unternimmt er weitere Versuche, die drei Typen zu differenzieren. Er spricht z.B. von "weiblichen Handlungstypen"8 oder vom "leptosomen Sachtyp"9und wagt ganz am Ende des Buchs noch einen Ausflug in die Typologie der Homöopathen indem er seine vier Typen (drei Grundtypen, zwei Beziehungstypen) in die drei Körperformen "leptosom, athletisch, pyknisch" teilt und mit homöopathischen Konstitutionstypen in Einklang zu bringen versucht - dies führt ihn zu 12 Typen10. Im 2000 erschienenen Buch "Die drei Persönlichkeitstypen und ihre Lebensstrategien" schließlich führt er diese Idee aus, nimmt weitere Konstitutionstypen hinzu und kommt auf 18 Typen: "Ich habe mich auf 18 Konstitutionsmittel beschränkt, eine Kombination aus den drei psychologischen Grundtypen, den drei Körpertypen und Typ I und Typ II. Letztere sind immer verwandt, denn jeder Typ II war in seinen ersten Lebensjahren der entsprechende Typ I."11 Gleichzeitig stellt er die neun Typen des "Enneagramms" vor und zieht auch hier Parallelen zu seinen eigenen Typen12. Erstmals erwähnt er hierin13 die von mir Ende 1998 eingeführte Unterscheidung in "Ich, Wir, Du" für den Beziehungsbereich und dankt für den Hinweis - verknüpft diese Unterscheidung jedoch nicht mit seinen eigenen Grundtypen sondern mit denen des Enneagramms. Interessanterweise vermeidet Friedmann hier einen Hinweis auf die ihm vorliegende schriftliche Quelle der "Ich, Wir, Du-Unterscheidung"14ebenso auf den Begriff "Psychographie"; stattdessen verwendet er "prozessorientierte Persönlichkeitspsychologie". Die Ergänzungen
durch Winkler 1999 Während dieser Zeit entstanden die ersten klaren Abläufe der "Integrierten Kurztherapie", ich entwarf dazu einen strukturierten Bogen, der in abgewandelter Form bis heute in Verwendung ist und fand dafür Friedmanns und meiner Studienkollegen Zustimmung. Dadurch ermutigt, wagte ich mich kurz darauf auch an Versuche, das offensichtlich offene Untertypen-Problem zu lösen bzw. Vorschläge dafür mit Friedmann und meinen Kollegen zu diskutieren. Ohne die Vermutung Friedmanns, die drei Grundtypen seien Reaktionen auf drei "eigengesetzliche Lebensbereiche" zu übernehmen, entwarf ich 1999 eine "Landkarte der Psychographie"15, in der die drei Grundtypen jeweils logisch und sprachlich nachvollziehbar in Untertypen unterschieden werden können.
Hintergrund dieses Versuchs war die Annahme, dass es sich bei jeglicher Typologie, welche unsichtbare Persönlichkeitsunterschiede beschreibt, um Konstrukte, also Modelle, handelt - und nicht um physikalische oder biologische Wirklichkeiten, sie also prinzipiell unvollständig, veränder- und diskutierbar und niemals "wahr" im Sinne einer physikalischen Wahrheit sein können. Zudem waren (außer dem Bereich der "Wir-Beziehung" und den Begriffen "Zeit" und "Tätigkeit") sämtliche Module dieser Landkarte bereits bei Friedmann beschrieben16 - nur eben nicht in dieser Zusammenstellung. Nachdem Friedmann meinen Entwurf zunächst nicht kommentierte oder auf die ihm übersandten Skizzen mir gegenüber nicht reagierte, fand er für Teile davon in den oben beschriebenen Enneagramm-Vergleichen Verwendung. Keine Akzeptanz der 81
Untertypen Viel später (ca. 2002?) ließ er jedoch eine angenäherte Unterteilung zu, bei der jeweils die Untertypen-Trios "Du-Gegenwart-Fühlen", "Ich-Vergangenheit-Denken" und "Wir-Zukunft-Machen" möglich waren; später (Anfang 2006?) nahm er dieses 'Entgegenkommen' jedoch wieder zurück und kombinierte erneut (wie am Anfang seiner Modellentwürfe) Beziehungstypen alleine mit Fühlen und Sachtypen mit Denken.
Zwei psychographische
Modelle am Markt Übereinstimmend lehren beide einen auf "Triaden" aufbauenden Prozessfortschritt ("Schlüsselfähigkeiten" bei DF, "Ressourcen" bei WW), die Beobachtung von drei Grundtypen, wobei deren 'Entstehung' unterschiedlichen Hypothesen folgt ("drei eigengesetzliche Lebensbereiche" bei DF, "Gewichtung der Lebensbereiche" bei WW). Ebenfalls unterschiedlich gesehen wird offenbar ein möglicher biologischer Einfluss, den Friedmann zumindest nicht erwähnt (stattdessen folgt er tiefenpsychologischen Deutungsmustern und den sogenannten Entwicklungsphasen in der frühen Kindheit, die typprägend sein sollen), während Winkler Hinweisen auf Unterschieden in der embryonalen Entwicklung und möglicherweise dadurch aktivierten/nicht-aktivierten Gensequenzen nachgeht. Ebenfalls unterschiedlich ist die Verwendung oder Nicht-Verwendung von Metaphern zur prägnanteren Kurzbeschreibung der Typen (bei Winkler: Schimpansen = Beziehungstypen, Orang-Utans = Sachtypen, Gorillas = Handlungstypen).
Praktische Konsequenzen
der Typunterscheidung Schwerpunkt der Verwendung ihrer psychographischen Modelle sind demzufolge bei Friedmann die Integrierte Lösungsorientierte Psychologie (ILP) sowie das "Autonomietraining", die beide seit 2005 an eigens dafür gegründeten und im Franchise-Verfahren betriebenen "ILP-Fachschulen" gelehrt werden; Winklers Psychographie hingegen wird neben der pädagogischen, erzieherischen und geschäftlichen Nutzung auch in Form einer eigenen Dienstleistung, den sogenannten "Typanalysen" genutzt - hier geht es allein um die Feststellung der Typzugehörigkeit (Grund- und Untertyp) sowie daraus resultierenden Möglichkeiten der Persönlichkeitsentwicklung oder Problemlösung. Ebenfalls werden Paaranalysen und Teamanalysen angeboten und durchgeführt - hierbei rücken die typabhängigen Interaktionsmuster in den Mittelpunkt des Interesses, ähnlich wie in der Transaktionsanalyse von Eric Berne, von der Friedmann - wie er selbst erzählte - seine ersten Impulse zur Typunterscheidung erhalten hatte (im Dramadreieck von Stephen Karpman). Die von Winkler entwickelte Form der Psychographie wird von Anfang an als "freies Modell" angeboten und keinen Einschränkungen in Nutzung oder Lehre unterzogen, jedoch werden vom gemeinnützigen und von Ehrenamtlichen getragenen Verein "Psychographie-Initiative e.V." seit 1999 freiwillige Zertifizierungen gemäß einer Vereinsordnung angeboten und auch zahlreich durchgeführt.
Korrespondenzadresse: wewinkler@t-online.de
1 vgl. Allport, Gordon W.: Persönlichkeit - Struktur, Entwicklung und Erfassung der menschlichen Eigenart, Stuttgart: Klett 1949 2 Duden Fremdwörterbuch, 4. Auflage, Mannheim, 1982 3 Friedmann, Dietmar: Der Andere, München 1990 4 mündliche Mitteilung, ca. 1997 5 Friedmann, Dietmar: Der Andere, München 1990, S. 59 6 ebd. S, 64 7 Friedmann/Fritz: "Wer bin ich? Wer bist du?", München, 1996 8 ebd. S. 66 9 ebd. S. 95 10 ebd. S. 247 11 Friedmann: Die drei Persönlichkeitstypen und ihre Lebensstrategien, Darmstadt, 2000, S. 183 12 ebd. S. 151ff. 13 ebd. S. 166/218 14 Winkler: Kurze Einführung in die Psychographie nach Dietmar Friedmann, Fellbach, 1999 15 Winkler: Die Psychognomie des Menschen - Zur Entstehung und Charakteristik unterschiedlicher Persönlichkeitstypen, Fellbach, 1999 S. 29 16 statt "Ich-Beziehung" verwendete Friedmann "ich-bezogen" und statt "Du-Beziehung" "ich-vergessend" 17 vgl. Winkler: Warum sind wir so verschieden?, Heidelberg, 2005 und Winkler: Warum Kinder so verschieden sind, Kirchzarten, 2006
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