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Oktober
2004, Autor: Werner Winkler
"Das ist ein längerer
Prozess"
Prozess-Arten
unterscheiden und korrekt
benennen
Unter Ärzten,
Therapeuten und Betriebsberatern ist der Ausspruch "Das ist
ein längerer Prozess" häufig zu hören - nur
ist damit noch lange nicht klar, welche Art von Prozess denn
gemeint ist.
Und so ergeben sich so
manche Verwicklungen und Unsicherheiten, z.B. wie denn 'der
Prozess' beschleunigt, gefördert oder unterbunden
werden kann. Also habe ich mir einmal Gedanken (ohne
Anspruch auf Vollständigkeit) gemacht, und versucht,
verschiedenartige Prozesse zu benennen, mit Beispielen und
mit Einflussmöglichkeiten zu versehen:
1. Verfallsprozess, nicht
umkehrbar
Bsp.: Ein Auto verrostet,
ein alter Baum verrottet, der menschliche Körper
altert.
Einflussmöglichkeiten:
verlangsamen, akzeptieren, Recycling von wertvollen Teilen,
anderweitige Nutzung.
2. Homöostase
(stetiger Wechsel zwischen Bedarf und
Befriedigung)
Bsp.: Wasser- und
Nahrungsbedarf, Mineralstoffverbrauch, Schlaf
Einflussmöglichkeiten:
Hindernisse zur Befriedigung ausräumen,
Prioritäten ändern, Wissen über Quellen
erwerben.
3. Kreisläufe
(regelmäßiger Wechsel zwischen bekannten
Stationen)
Bsp.: Jahreszeiten, Saat und
Ernte, Psychographie-Triaden, der Tag
Einflussmöglichkeiten:
angleichen, vorplanen, akzeptieren
4. Mosaik
(Auffüllen nach festgelegtem Muster, das oft erst am
Ende erkannt wird)
Bsp.: Ausbildung nach
Curriculum
Einflussmöglichkeiten:
Zielformulierung, Dokumentation, Erfolgskontrolle,
Erfahrungsaustausch, Lernen von weiter
Fortgeschrittenen
5. Reparatur
(Umkehrung einer aus der Vergangenheit stammenden
Bschädigung)
Bsp.: Knochenbrüche,
schädliche Denk- und Verhaltensweisen
Einflussmöglichkeiten:
Ruhigstellen, Selbstheilung ermöglichen, Ersetzen,
Training
6. Puzzle (Auf
unbekannte Weise zusammenhängende Teile eines Ganzen
bzw. Idealbildes)
Bsp.: Biographie,
Scherben
Einflussmöglichkeiten:
sortieren, anknüpfen an kleine Erfolge, ständiger
Abgleich mit dem Idealbild, Fehler zulassen, Geduld
üben, mit einfacheren Teilen beginnen
7. Erfindung
(Erzeugen eines erwünschten Objekts mit fester
Zielvorgabe aber ohne bekanntem Weg)
Bsp.:
Geschäftseröffnung, Problemlösung, unbekannte
Gleichung
Einflussmöglichkeiten:
"Try and error", spielerisches Herangehen, Irrwege früh
erkennen, Ausnahmen vervielfältigen, Ziel in Unterziele
zerlegen, Kompetenzen hinzuziehen.
8. Optimierung
(Verbessern eines vorhandenen, aber nicht perfekten Objekts
oder Ablaufes)
Bsp.:
Beratungstätigkeit, sportliche Bewegungsabläufe,
Produktherstellung, Klavierspiel
Einflussmöglichkeiten:
Fehlerquellen und Schwachstellen ausgleichen, Erfolge
bewahren, nächste Schritte mittels Skalen vorgeben, das
Erreichte kontrollieren, Motivation verstärken - z.B.
durch Vorbilder.
Vielleicht gelingt es durch
eine solche differenziertere Benennungen von Prozessen,
diese gezielter zu beeinflussen oder gelassener hinzunehmen,
wo dies nicht automatisch passend geschieht.
Copyright:
Winkler-Verlag 10/2004, Alle Rechte vorbehalten
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