Typologien sind das eine - die Interpretation von Typen-Einschätzungen das andere!

 

‚Wie ich dich einschätze, bist du ein Gelber mit etwas Rot', klatschte mir kürzlich ein Verfechter des Insights Discovery um die Ohren, der mich gerade mal seit ein paar Tagen kannte. War das ein Kompliment oder eine Beleidigung? Dabei bin ich - das ergaben zahlreiche durchgeführte Persönlichkeitseinschätzungen - ein ENTP (M.B.T.I.) mit Intuition als Hauptfunktion (C.G. Jung), aber eben auch ein SECHSER (Enneagramm) mit einem leichten Hang zur Schizoiden Persönlichkeit (Fritz Riemann): Aber sonst geht's mir gut!

Seit vielen Jahren beschäftige ich mich als Personal- & Unternehmensberaterin und als dipl. Schriftpsychologin VDG mit verschiedensten Arten von Typologien. Am meisten überzeugen mich jene, die auf den Psychologischen Typen von C.G. Jung basieren. Auch die Friedmann-Typen sind neben den Riemann-Typen unverzichtbare Hilfsinstrument bei meiner Arbeit geworden.

Es ist ein gutes Stück Arbeit, sich im Dickicht der zahlreichen Typologien zurechtzufinden und die Spreu vom Weizen zu trennen. Weit schwieriger noch ist für mich zuweilen, dem Bedürfnis zu widerstehen, Herausgebern solcher ‚Vorverurteilungen' wie eingangs erwähnt, an die Gurgel zu gehen. Kaum etwas mutet mich verheerender an, als die Wald-und-Wiesen-Diagnostik selbsternannter Freizeitpsychologen, die einem im Brustton der Überzeugung ein Prädikat auf die Stirn drücken, das man so schnell nicht wieder los wird.

Nicht selten werden solche Auswertungen bei Personalentscheiden herangezogen, egal ob da ein breiter Krater zwischen Selbst- und Fremdbild klafft. Auch ungeachtet dessen, ob der Interpret der Typologie ein fachlich fundiertes Hintergrundwissen anzubieten oder eben nur eine 2-tägige Schnellbleiche durchlaufen hat: Es wird eingeschätzt, diagnostiziert und beurteilt, was das Zeug hält.

Ich wünsche mir, dass das kritische Augenmerk weniger auf die Typologien, als vielmehr auf die fachliche und soziale Kompetenz der Anwender gerichtet wird. Abgesehen davon, dass diese Art der Handhabung von Typologien meist der Erfüllung übler Machtansprüche der Anwender dient, zeugt es von fehlendem Verantwortungsbewusstsein, wenn Menschen leichtfertig kategorisiert werden. Wer wird schon gerne nach einem simplen Persönlichkeitstest in eine Schublade gesteckt, auf der steht: ‚Öffnen nur auf eigene Gefahr!'

Sabine Heinvirta

HEINVIRTA CONSULTING - Wädenswil

 

 

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