7. Februar 2007, Autor: Werner Winkler
Abschrift von Teil 2 eines Vortrages zur Mitgliederversammlung der Psychographie-Initiative e.V. am 3.2.2007 in Stuttgart

 

Ein Plädoyer dafür, dass die Typen der Psychographie nicht nur Konstrukte sind

 

Hypothese

Eine Hypothese, der ich hier eher spielerisch nachgehen will, lautet, dass die von Friedmann "entdeckten" drei Lebensbereiche in allen "drei Welten" (nach Popper) enthalten sind - also sowohl eine physikalische, eine subjektive und eine konsensuell-sprachliche Seite zeigen.

Während es für die subjektiven und die konsensuell-sprachlichen Seiten der Psychographie wohl kaum Zweifel an deren Existenz gibt ist es bisher nicht gelungen, sie auch in der physikalischen Welt exakt zu lokalisieren. Trotzdem gibt es zahlreiche Indizien, welche die Suche danach motivieren.

Um bei dieser Forschung weiter zu kommen, scheint mir zunächst eine leicht veränderte Ausgangsposition nützlich - im Sinne des wissenschaftlichen Mottos, dass erst geeignete Versuchsbedingungen in einem geistigen Prozess erschlossen werden müssen, bevor die eigentlichen Experimente sinnvoll durchgeführt werden können. Statt also von "Lebensbereichen" zu sprechen, wie es Friedmann als "Ursache" der Typunterschiede annahm, nehme ich einmal probeweise drei nicht genauer benannte "elementare Lebensenergien" als tiefsten Grund der letztlich beobachteten Typunterschiede an.

Dreiteilungen in verschiedenen Weltsichten

Hintergrund ist, dass eine solche Dreiteilung in den verschiedensten Weltsichten auftaucht, etwa in den drei Lebensenergien des indischen Ayurveda (drei Doshas: vata, kapha, pitta), das immerhin mehrere tausend Jahre alt ist. Im christlichen Verständnis gibt es seit fast zweitausend Jahren die sogenannte "Dreieinigkeit" als Ausdruck der drei Seiten Gottes (Vater-Kraft, Sohn-Liebe, Geist-Weisheit) und in der ebenfalls uralten indischen Bhagavad Gita tauchen "drei Gunas" auf: Alles, was existiert, geschieht nach dieser Auffassung durch das Zusammenwirken von drei Zuständen, die als "sattva" (Klarheit), "rajas" (Energie) und "tamas" (Finsternis) benannt sind. Weiteres Beispiel wäre der Hinduismus, in dem die drei Hauptgottheiten Brahma (Schöpfer), Vishnu (Erhalter) und Shiva (Erneuerer) beschrieben sind. Selbst bei Lao-Tse heißt es: "Das Eine schafft die Zwei, die Zwei schafft die Drei: Die Drei aber erschafft die abertausend Geschöpfe." (Tao-te-King, 42. Spruch).

In unserer modernen Welt zeigen sich Dreiteilungen z.B. als drei Aggregatszustände der Materie (flüssig, fest, gasförmig), als drei Raumrichtungen (Länge, Breite, Höhe), drei Grundfarben (gelb, magenta, cyan), drei Grundformen (Kreis, Dreieck, Quadrat) oder den drei Geschlechtern (der, die, das). Sogar die Physik kennt die Dreiteilung des Atoms in Neutron, Proton und Elektron - und wenn ich richtig informiert bin, sollen ganz am Ende der bisherigen tieferen Erforschung der Teilchenwelt erneut drei elementare Energien sichtbar werden. Nach meiner persönlichen Lieblingstheorie könnte auch das Licht in drei Charakteren erscheinen, nämlich als Teilchen, Welle oder Raumzeit-Phänomen (die ersten beiden Charaktere sind geläufig, der dritte für mich nur logisch, da die Lichtgeschwindigkeit gleichzeitig als Obergrenze zwangsläufig die Zeit definiert). Janosch schreibt: "Im Grunde genommen könnte man alles in drei Kategorien teilen." (Wörterbuch der Lebenskunst).

Viele Zweierteilungen entlarven sich bei genauerem Hinsehen als amputierte Dreierkonstrukte (z.B. fehlt bei Schwarz-Weiß das Grau) , in manchen Vierermodellen hingegen lassen sich mit etwas Fantasie die ursprüngliche Dreiteilung noch entdecken (gelb-blau-rot-grün - hier hat sich grün als Mischung von gelb und blau eingeschlichen - oder in den "vier Elementen" Wasser, Erde, Luft und Feuer stößt vielen von uns das Feuer als "fremd" auf. Ordnet man diese Begriffe jedoch neu, könnte das Feuer als "Urknall" oder "Urenergie" gedeutet werden, welche die drei Phänomene Wasser, Erde und Luft hervorgebracht hat.).

 

Was hat Friedmann tatsächlich "entdeckt"?

Vielleicht, so meine Vermutung, hat Friedmann mit seinen "drei Lebensbereichen" also nur etwas sehr viel früher schon Gefundenes und Beschriebenes für die Persönlichkeitstypologie neu entdeckt? Drei Grundprinzipien, die sich auf verschiedensten Ebenen des Lebens wiederfinden und unterscheiden lassen?

Wobei die Frage wohl offen bleiben muss, ob sich diese Dreiteilung in "Welt 1" (nach Popper, physikalische Welt) oder nur in unserem Geist befindet - wir also "dreifach" sehen und daher unsere Welt gerne derartig einteilen. Auf jeden Fall könnte diese Rückführung der Psychographie auf möglicherweise gemeinsame Wurzeln für die Psychographie und die älteren Vorstellungen (oder selbst für die Physik) fruchtbar sein.

Meine Hoffnung ist, dass so vielleicht eine Richtung für die Suche nach den möglicherweise vorhandenen objektiven Typunterschieden gefunden werden kann, die erfolgversprechend ist. So ordnet etwa der Ayurveda-Arzt den drei Grundtypen vata, kapha und pitta drei unterschiedliche Pulsarten zu. Hier könnte sich ein "Link" zu Auffälligkeiten in der Herz-Leber-Medizin finden - denn dort gibt es einige Beobachtungen, dass "ein Drittel der Patienten" anders reagiert als der Rest (siehe Liste im Anhang).

 

Anhang:

Mögliche Messpunkte zur Typunterscheidung

a) Myoglobin

Hier sind offenbar Unterschiede von Mensch zu Mensch (brauner/weißer Muskeltyp) vorhanden.

b) Laktatschwelle bei Untrainierten

Laut Dr. Strunz reagiert ein Drittel der Menschen (ich vermute, die Handlungstypen) anders, d.h. sie können mehr Kraft generieren, ohne sauer zu werden. Sachtypen können in der Regel wesentlich schwerer körperliche Kraft generieren; Beziehungstypen wiederum scheinen schneller reagieren zu können als Handlungstypen etc.

c) Fructoseverdauung

Laut einer Notiz, die ich im Internet fand, funktioniert diese bei einem Drittel der Menschen anders als beim Rest - sie können Fructose nicht im Dünndarm verdauen.

d) Antioxidative Kapazität (AOC?)

Auch hier scheint es "typische" Unterschiede zu geben, auch in Richtung Immunsystem. Nach unserer derzeitigen "Zählung" überleben z.B. Sachtypen eine Krebserkrankung fast immer, während Handlungs- und Beziehungstypen oft nicht die geistigen Kräfte mobilileren können, dagegen anzugehen.

e) Gluthation

Ähnlich wie bei d) könnte es hier typspezifische Unterschiede geben

f) Anzahl und Größe der Mitochondrien in gleichen Zellen

Laut der Literatur gibt es große interindividuelle Unterschiede bei Untrainierten - diese könnten ebenfalls auf die Typunterschiede zurückzuführen sein.

g) Leberenzyme, speziell AP

Hier sind die Werte ebenfalls sehr different und könnten ursächlich dem Typ zugeordnet sein. Eine unserer Beobachtungen lautet z.B. dass Handlungstypen Alkohol wesentlich besser verstoffwechseln als die anderen Typen.

 

Weitere Hinweise auf Drittelunterschiede, die interessant sein könnten:

h) nur ein Drittel der Hepatitis-B-Infizierten zeigen die klassischen Hepatitisanzeichen, die anderen nicht

i) bei Hepatitis C reagiert ein Drittel der Patienten als "Superresponder" und spricht sehr viel rascher auf die Behandlung an als die anderen (beim HCV-Typ 1)

j) Dynamik der Herzfrequenz

diese wurde bereits von den alten Indern (Ayurveda) zur Typunterscheidung in drei Typen herangezogen (mittels Pulsdiagnostik); hier könnte eine Verbindung zu Steuerungsfaktoren der Herzdynamik zugrunde liegen (alle Enzyme in den Leberzellen kommen offenbar auch im Herz vor)

 

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