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14.
März 2005, Autorin: Petra Vogel

Ich 'konvertiere' zum
'Ich'
Zwei Jahre lebe ich nun mit
der Psychographie Seite an Seite. Da sollte man doch
eigentlich voraussetzen können, dass ich relativ
einfach den Unterschied zwischen einer Du-Bezogenheit und
einer Ich-Bezogenheit erkennen kann.
Bislang wurde ich unter
Sachtyp, Du-bezogen, Fühler, gegenwartsorientiert
eingruppiert - dabei bin ich gar nicht Du-bezogen, sondern
Ich- bezogen. Warum ich dies relativ spät herausfand,
wo man doch allgemein sagt, die Ich-Bezogenen erkennen sich
sofort, habe ich wiederum herauszufinden versucht. Das
Ergebnis meiner Recherchen:
1. Interpretationsfehler
des Wortes Reflexion"
In meiner ersten Typanalyse
wurde mir die Frage gestellt, ob ich mich über einen
anderen reflektiere. Ich antwortete mit "Ja".
Der Grund dafür:
Retrospektiv betrachtet hatte ich zum damaligen Zeitpunkt
ausschließlich Ich-Bezogene in meinem Umfeld (Eltern,
Brüder und Freunde). Die einzige Ausnahme ist ein
Wir-Bezogener. Und da ich mich in den Geschichten und
Erlebnisweisen meiner" Ich-Bezogenen gut wiederfinden
konnte, dachte ich, das müsste die Reflexion eines
Du-Bezogenen sein.
2. Fehlender Vergleich zu
einem Du-Bezug
Aus der oben erwähnten
Tatsache heraus, Ich-Bezogene um mich geschart zu sehen,
fehlte mir der Vergleich zu einem Du-Bezogenen, sozusagen
das lebende Objekt. Ich kannte zwar die Theorie
darüber, dennoch wurde es erst klarer, als in den
letzten beiden Jahren Du-Bezogene in meinem Leben erschienen
und ich mich da so wenig wiederfand. Aussagen
wie:
" Ich kann mich völlig
in einem anderen verlieren", oder :
" Ich verbog mich bis zur
Selbstaufgabe",
etc. kamen mir ausgesprochen
fremd vor.
Dies gilt ebenso für
das automatische Mitfühlen mit anderen. Ich kann eine
Situation eines anderen zwar verstehen, insbesondere wenn
ich selbst schon einmal in einer ähnlichen war, es am
eigenen, meinem Leib gespürt habe. Dennoch
bleibt das Gefühl dabei außen vor.
3. Der Sachtyp an
sich
Eine weitere Erklärung
dafür, dass ich mich schlecht mit dem allgemeinen
Du-Bezug" identifizieren konnte, war das Sachtyp-Dasein an
sich. Ich vermutete zunächst, dass es damit
zusammenhängen könnte, dass sich die sachtypischen
blauen" Eigenschaften in alle Bereiche untermischen,
selbst wenn man in seinen Bevorzugungen etwas
beziehungstypisch Gelbes" oder etwas handlungstypisch
Rotes" hat. Das denke ich zwar immer noch, aber in
meinem Fall erschien es mir zu extrem. Die Zweifel waren
wohl berechtigt.
4. Suche bei den
Unter-Untertypen
Der nächste Versuch
war, bei den Unter-Untertypen (vgl. Winkler: Lehrbuch
Psychographie, S. 112/113) zu suchen. Da erschien es mir
zunächst einleuchtend, dass ich wahrscheinlich ein
Du" mit dem Unterbereich Du-her" bin. Durchaus
denkbar, dennoch kam ich zu dem selben Entschluss: Ich bin
Ich-bezogen".
5.
Abfärbtheorie
Ich habe darüber
bereits einmal geschrieben. Ich denke, dass Du-Bezogene
viele Dinge von einem Du übernehmen. Das möchte
ich nun noch mal differenter betrachtet sehen, denn:
Ich-Bezogene übernehmen durchaus auch Sachen, ich meine
Eigenschaften, Wörter, etc., von anderen, jedoch habe
ich da noch einen entscheidenden Unterschied
entdeckt:
Bei den Du-Bezogenen
passiert dies möglicherweise automatisch, unbewusst. Es
färbt eben ab, ohne dass derjenige dies wirklich
bemerkt. Bei den Ich-Bezogenen scheint es ein bewusster
Vorgang zu sein. Ich kann ziemlich genau sagen, was ich mir
von wem abgeschaut habe und warum.
6. Missverständliche
Auslegung der Ich-Bezogenheit
Oft begegnete mir die
Aussage, Ich- Bezogene wären Egoisten. Nur weil ich
mein Leben lebe, wie ich es für angenehm empfinde und
schaue, dass es mir den Umständen entsprechend gut
geht, bin ich noch lange kein Egoist. Das weise ich nach wie
vor von mir.
Ich sehe mich selbst
durchaus als einen Menschen, der auch auf andere eingeht,
versucht, dessen Wünsche zu berücksichtigen. Der
Unterschied zu einem Du-Bezogenen besteht aber
womöglich darin, dass bei meinen 'Angeboten' ans
Gegenüber von vorneherein klar ist, dass es für
mich o.k. so ist.
7.
Ressourcennutzung
Ich denke, dass je nachdem,
wie stark das Leben uns fordert, eine Ressourcennutzung
stattfindet, die die Bevorzugung in etwas schleierhaftem
Licht erscheinen lässt.
So habe ich einige sehr
schwierige Aufgaben vom Leben gestellt bekommen, die mich
dazu 'zwangen', neue Strategien zu entwickeln. Dazu
gehörte unter anderem, mir die Unterstützung eines
Kollektivs zu sichern. Alleine wäre dies nicht zu
bewältigen gewesen. Und ich entdeckte, wie entlastend
es sein kann, Aufgaben an andere zu übertragen, statt
sich immer nur alleine 'durchzuwurschteln'.
Weiterhin hat mich in
Krisensituation der Rückschluss über die
Du-Ressource verwirrt. Sie (Die Du-Bezogenen) sollen mehr an
sich selbst denken, wenn es ihnen schlecht geht. Ich
befolgte dies brav, aber es machte die Sache immer schlimmer
statt besser. Mein Weg ist eher der, das Kollektiv-Leiden
auf der Welt gegen das meine zu stellen.
8. Ich in der
Gruppe
Ein weiteres Indiz für
meinen Ich-Bezug ist die Tatsache, dass ich mich in
größeren Gruppen sehr unsicher fühle. Sie
ist für mich eine anonyme Masse von Menschen ohne
Gesicht. Ich bin da sehr zurückhaltend, begebe mich in
die Beobachterrolle. In Kleingruppen (zwei bis drei)
fällt es mir leichter, mich zu öffnen. Daraus
schloss ich bisher, dies käme durch die
Du-Bevorzugung.
Und der Punkt, warum ich
dies erst jetzt feststellte war schlichtweg der, dass ich
meistens alleine oder eben mit wenigen Menschen konfrontiert
war. Die Erinnerung an Einschulung, Konzertbesuche, etc.
brachte dies wieder ans Licht. Dies fiel aber schwer,
denn...
9.
Gegenwartsorientierung
Meine Gegenwartsorientierung
erschwerte mir die Nachforschungen in meiner Kindheit und
Jugend. Herausgefunden habe ich so nach und nach aber schon,
dass ich eigentlich immer nach meinem eigenem Kopf und den
darin enthaltenen Vorstellungen gelebt habe. Auch wenn
andere Menschen ganz andere Wünsche an mich
hatten.
Petra Vogel
Sachtyp- Ich- Fühler- Gegenwart
Copyright:
Petra Vogel und Werner Winkler-Verlag 3/2005, Alle Rechte
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