18.Oktober 2004, Autor: Werner Winkler

 

Lösungsorientierung:

Neue Grundannahmen - neue Lebensqualität

Wie veränderbare Konstrukte und Grundannahmen praktische Lebenshilfe sein können.

 

Am Beispiel des individuellen Verständnis des Todes möchte ich zeigen, wie eine Veränderung in Grundannahmen auch einen Unterschied im Erleben des Phänomens selbst bewirken kann.

In christlicher, speziell katholischer Sicht ist der Tod das endgültige Ende eines einzigen, vom Schöpfer geschenkten Lebens, das danach entsprechend vorgegebener Wertmaßstäbe beurteilt wird. Dieses Urteil wiederum soll gemäß dieser Sichtweise für ein darauf folgendes, endloses Leben ausschlaggebend sein.

Nicht schwer vorstellbar, dass ein Für-Wahr-Halten eines solchen Konstrukts nicht ohne Folgen für die Haltung gegenüber sämtlichen Lebensäußerungen sein kann.

Darüber hinaus enthält dieser Glaube weitreichende Konsequenzen in Richtung Verstorbener. Der Gestorbene wird z.T. in einem Art "Warteraum" gewähnt, bis es zum endgültigen Gerichtstag kommt, wo über das weitere Schicksal entschieden werden soll. Somit bleibt der noch Lebenden sowohl in vollkommener Trennung vom Toten als auch in der Ungewissheit zurück, ob man sich nach dem 'Gerichtstag' wiedersieht (und natürlich, wo).

 

Meist ist es unmöglich, in einer Beratung oder in einem persönlichen Gespräch solche Grundüberzeugungen zu ändern. Jedoch lassen sich 'an den Rändern' des Geglaubten kleine Unterschiede erzeugen, die dann wie von selbst zu einem größeren Unterschied führen.

Ein Beispiel: Fast alle, mit denen ich über das Sterben spreche, sind überzeugt, dass auch nach dem Tod noch zeitliche Phänomene existieren - der Tote also z.B. warten muss, bis die Zurückgebliebenen "nachkommen". Gelingt es nun, diese Vorannahme (z.B. mit dem Hinweis auf den nicht-zeitlichen Charakter der Ewigkeit) aufzuweichen, ergibt sich ein womöglich tröstendes und überraschendes Phänomen: Wechselt nämlich der Sterbende einfach vom "Zeit-Raum" in den "Nichtzeit-Raum", wird er logischerweise dort bereits von denen erwartet, die er hier zurücklässt. Dies mag manchem Sterbenden aber auch Zurückbleibenden zu einem wesentlich unaufgeregterem Umgang mit dem Tod verhelfen als der zuvor beschriebene.

Ein zweites Beispiel: Stellt man sich eher negative Dinge wie Hass, Dunkelheit oder den Teufel als etwas Anwesendes vor, müssen selbstverständlich Anstrengungen unbekannter Art erdacht werden, diese aus dem eigenen Leben, der Familie oder der Welt zu vertreiben.

Stellt man sie sich jedoch als Phä-nomene der Abwesenheit vor, eröffnet sich augenblicklich eine einfache Gelegenheit des 'Dagegenhaltens'. Praktisch: Wenn der Hass nur aus 'Abwesenheit von Liebe' besteht genauso wie das Dunkel die Abwesenheit von Licht kennzeichnet, wird es möglich, durch Stärkung der Liebe den Hass ganz automatisch zurückzudrängen. Ich muss nicht gegen den Hass kämpfen, sondern kann die automatisch vorhandene Liebe einfach zulassen, verstärken, annehmen.

 

Welch ein Unterschied!

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