|
6. Januar
2005, Autor: Werner WInkler
Manchmal wäre ich
gern ein bisschen anders ...
Psychographische
Entwicklungslinien für Sach-, Handlungs- und
Beziehungstypen
Entwicklung bedeutet aus
Sicht der Psychographie die zunehmende Möglichkeit,
seine typspezifischen Ressourcen willentlich zu nutzen. Im
Folgenden habe ich in lockerer Sammlung ohne Anspruch auf
Vollständigkeit eine Reihe von Bereichen aufgelistet,
in denen sich bei den drei Grundtypen Fortschritte zeigen
können. Auch für Eltern kann diese Liste
interessant sein, um Kinder frühzeitig in ihren
Ressourcen zu trainieren.
Zudem habe ich für
jeden Typ eine kleine Liste von Fallen und Auswegen sowie
von Tierbildern zusammengestellt, die diesen Entwicklungs-
oder Ergänzungprozess auf einer sinnbildlichen Weise
unterstützen können - jene Tiere fassen oft die
Eigenschaften in einer Weise zusammen, die mehr erreicht als
nur den bewussten Verstand.
Entwicklungslinie
für Sachtypen
Für den Sachtyp
bedeutet dies in erster Linie, dass er öfters
Aktivitäten ergreift, deutlicher "Nein" sagt, wenn er
etwas nicht will und aus der Haltung des "mir geschieht
etwas" in eine angreifende, gestaltende wechselt. Dazu
gehört dann auch, dass er sich gestattet, dabei Fehler
zu machen, unnötig Geld und Zeit zu investieren und
sein Sicherheitsbedürfnis etwas zu
reduzieren.
Fortschritt für den
Sachtyp bedeutet auch, wenn er anfängt, sich
praktisch-geschäftlich zu engagieren und nicht nur
theoretisch-sachlich an Dinge heranzugehen. Dabei wird er
automatisch auf Kooperationen bauen und sich der Kritik
seiner Mitstreiter aussetzen müssen. Im Ergebnis darf
er sich dann aber auch am eintretenden Erfolg
tatsächlich als Beteiligten sehen.
Um von seinem Hang zum
Geistigen etwas Abstand zu bekommen, tut es Sachtypen gut,
ihren Körper mit seinen Bedürfnissen und
Handlungsmöglichkeiten stärker ins Visier zu
nehmen: Angemessene Ernährung, ausreichend Schlaf,
sportliche Aktivitäten und zärtliche Zuwendung
werden häufig in ihrem Einfluss auf das
Allgemeinbefinden unterschätzt. Auch diese Dinge muss
sich der Sachtyp etwas kosten lassen, er muss aktiv werden
und Erfahrungen sammeln, was ihm in welchen Dosierungen gut
tut und was nicht. Generell gilt: "Es darf ruhig etwas mehr
sein", da er dazu neigt, mit möglichst wenig zufrieden
zu sein.
Die Überbetonung des
"Sein" unter Zurückstellung des "Könnens" oder
"Zeigens" reduziert sich z.B. dadurch, dass sich der Sachtyp
traut, sein Wissen zu vermitteln, es praktisch anzuwenden
und nicht ständig weiter und tiefer in die Fachgebiete
einzudringen.
Es geht nicht darum, die
eigene Persönlichkeit inklusive des Typs abzuwerten
oder ein ganz neuer Mensch zu werden - jedoch zeigt sich,
dass die zunehmende Nutzung aller angelegten Potentiale eine
enorme Erweiterung der Spielräume im täglichen
Leben bewirkt. Dies entspricht auch der natürlichen
Tendenz, welche jedoch häufig durch Erziehung und
Erfahrung gebremst oder ganz unterbrochen wird.
Fallen für
Sachtypen
1. Ich kann das
nicht.
2. Man wird mich
kritisieren.
3. Ich bekomme zu wenig
Aufmerksamkeit.
4. Niemand nimmt mich
richtig wahr.
5. Ich werde ignoriert und
übersehen.
6. Meine Existenz ist
gefährdet.
7. Ich muss sehr vorsichtig
sein.
8. Ich darf keinen Fehler
machen.
9. Wenn ich mich gar nicht
rühre, geht es von selbst vorbei.
10. Was geschieht ist
unabwendbares Schicksal.
11. Ich bin das Opfer
der Aktivitäten anderer.
12. Ich muss mich so
gut es geht verteidigen.
Ausstiegsleitern und
Umgehungsstraßen für Sachtypen
1. Ich will das
nicht!
2. Ich kann es durchaus
einmal probieren!
3. Fehler sind menschlich
und bringen neue Erfahrungen!
4. Wer kämpft, kann
verlieren, wer nicht kämpft, hat schon
verloren!
5. Angriff ist die beste
Verteidigung!
6. Wer wagt,
gewinnt!
7. Wenn ich mich zeige,
werde ich auch gesehen!
8. Wer das zu schätzen
weiß, was ich produziere, wird mich auch
wahrnehmen.
9. Ich kann etwas für
meinen Erfolg tun.
10. Ohne Körper
funktioniert auch mein Geist nicht optimal.
11. Mehr hilft oft
mehr!
12. Mein Schicksal liegt zu
mindestens 50% in meiner Hand!
Beispiele für
"Krafttiere", die Sachtypen Motivation geben
1. Löwe
2. Weißer
Hai
3. Gorilla
4.
Säbelzahntiger
5. Ameise
6. Biene
7. Wespe
8. Jagdfalke
9. Piranhia
10. Wolf
11. Krokodil
12. Dinosaurier (v.a.
bei ST-Kindern)
Entwicklungslinie
für Handlungstypen
Ausgleichend und
harmonisierend für Handlungstypen wirken besonders
seine Hinwendung zu seinen kindlichen, leichten,
spielerischen Seiten. Dies geschieht z.B. dadurch, dass er
sich seinen Hobbys, seinem Garten, seinen Tieren oder auch
Menschen zuwendet, die ihm besonders am Herzen liegen.
Den gereiften Handlungstypen
sieht man so mit seinen Kindern oder Enkeln spielen,
erhält sich regelmäßig von allem
Geschäftlichen fern und genießt die schönen
Dinge des Lebens. Er verbringt den Samstag beim
Einkaufsbummel, im Stadion, Museum oder Kino, geht mit
seinen privaten Freunden (nicht den Geschäftsfreunden
oder der Verwandtschaft) in die Kneipe, zum Wandern oder
Essen - liebend gerne kocht er auch selbst mit Muße,
Zeit und Genuss, was er vorher in Ruhe auf dem Markt oder in
seinem Lieblingsgeschäft selbst eingekauft
hat.
Erfolgswillen,
Ergebnisorientierung und Zielerreichung treten dann zu
Gunsten von Lebensqualität zurück. Seine Familie,
Menschen, die er liebt oder kulturelle Höhepunkte
gewinnen an Anziehungskraft. Den Sonntagmorgen verbringt er
gemütlich im Bett oder auf dem Balkon, Gedanken an die
Arbeit schiebt er konsequent beiseite und freut sich an
seiner Ruhe.
Diese Haltungen springen
natürlich immer öfters auf geschäftliche
Dinge über: Man sieht ihn auch in intensiven
Verhandlungen lächeln, er arbeitet mit Liebe an dem,
was ihm wichtig ist, zeigt seine menschlichen Seiten mehr
und mehr. Gegenüber Kollegen, Kunden und Lieferanten,
ja sogar gegenüber dem Finanzbeamten kann er zunehmend
friedlich auftreten und seine Autorität ohne
großes Gehabe durchsetzen. Kaum etwas bringt ihn dann
noch aus der Ruhe, er sieht schneller das Positive in Allem,
auch im vordergründig Ärgerlichen oder in
Misserfolgen.
In seinen Beziehungen
lässt er mehr sein Herz sprechen, Pflichtbewusstsein
und Verantwortungsgefühl haben nicht länger die
Oberhand. Er kann Nähe zulassen und auf Zuwendung
positiv reagieren, er mischt sich in Dinge ein, die
zwischenmenschliche Kompetenzen herausfordern, er
genießt es, Emotionen zunehmend auch im Lieben und
nicht nur im Angriff auf vermeintliche Gegner zu
erleben.
Er geht früher zum
Arzt, wenn er Schwachstellen bemerkt und reduziert seine
Medikamenteneinnahme genauso wie seinen Konsum an
Alltagsdrogen.
Fallen für
Handlungstypen
1. Nein, das probiere ich
erst gar nicht aus.
2. Ich will das gar nicht
hören.
3. Auf Hilfe kann ich
verzichten.
4. Viel hilft
viel.
5. Das muss jetzt
durchgestanden werden.
6. Zuviel Rücksicht
schadet nur.
7. Von Schönheit allein
kann niemand leben.
8. Was interessieren mich
andere Menschen.
9. Sentimentalitäten
können wir hier nicht gebrauchen.
10. Hauptsache sauber und
ordentlich erledigt.
11. Hier muss nach Recht und
Ordnung vorgegangen werden.
12. Es gibt noch viel zu
tun, packen wir es an.
Bremsen und Fallschirme
für Handlungstypen
1. Lass es gut sein. Es ist
genug.
2. Sympathie ist manchmal
wichtiger als Erfolg.
3. Höre auf dein Herz
und deinen Bauch.
4. Leben und leben
lassen.
5. Frieden schadet auf
keinen Fall.
6. Aus der Ruhe kommt die
Kraft.
7. Was würde ein Kind
hierzu sagen?
8. Weniger Druck könnte
auch reichen.
9. Es geht immer auch
anders.
10. Ich bin in Ordnung, wie
ich bin - der andere auch.
11. Jedem seine Meinung -
mir meine Ruhe.
12. Leben ist mehr als
Arbeit.
Bsp. für
Sympathietiere der Handlungstypen
1. Schmetterling
2. Delfin
3. Äffchen
(Schimpanse)
4. Hase,
Kaninchen
5. Katze,
Kätzchen
6. Verspieltes
Hundejunges
7. Papagei
8. Schwalben
9.
Bärenjunges
10. Robben,
Seehunde
11. Zierfische
12.
Singvögel
Entwicklungslinie
für Beziehungstypen
Wenn Beziehungstypen
"erwachsen" werden, zeigen sie immer weniger kindliche und
damit beziehungstypische Spontanreaktionen: Emotionale
Übertreibunge, dramatische Situationsschilderungen oder
überschwänglich-kurzfristige
Begeisterungsausbrüche. Sie mindern auch ihren Hang zum
"Habenwollen", zum "Perfekt-Haben-Wollen" oder dazu, mit
allen ihren Mitmenschen gut auskommen und alles, was sie
sagen, auch gleich glauben zu müssen. Sie können
die Beziehungsebene öfters ignorieren, entziehen sich
absichtlich dem Vergleichenmüssen oder der Suche nach
möglichen Zusammenhängen zwischen allem und
jedem.
An Stelle dieser
überreichlich vorhandenen Fähigkeiten treten nun
zunehmend sachliches Abwägen, Offenlassen und Suche
nach Alternativen, Zögern und Zweifeln, vorsichtiges
Vertiefen in interessante Themen oder das langsame
Herantasten an Unbekanntes. Sie nehmen sich vor allem mehr
Zeit und reduzieren dazu ihre "Baustellen", wertvolle
Bezieh-ungen werden eher erkannt und ihnen Zeit
eingeräumt. Dem Gehetztsein, dem Gefühl, etwas
verpassen zu können steht nun häufiger die Stille
des Daseins, das Bewusstsein der eigenen geistigen
Potentiale oder die konzentrierte Leidenschaft für ein
ganz bestimmtes Thema entgegen.
Auch der Schwester der Zeit,
dem Geld, der "eingefrorenen Arbeitszeit" widmet der sich
seinen unterentwickelten Seiten bewusster werdende
Beziehungstyp mehr Aufmerksamkeit; Löcher im Geldbeutel
werden gestopft, eine ausreichende Rücklage schenkt ihm
Ruhe und ermöglicht auch einmal ein Opfer aus Mitleid
für wirklich Bedürftige. Nicht mehr jedem neu
erwachten Interesse folgen sofortige größere
Ausgaben, die erste Suche gilt häufiger einem
preiswerten oder kostenlosen Weg.
Tatsächlich vorhandene
Probleme werden nicht mehr ständig schöngeredet,
sondern entweder geduldig ertragen, wenn nichts dagegen
getan werden kann oder mit Hilfe des eigenen oder fremden
Verstandes konzentriert angegangen. Um Unterstützung
wird gebeten, auch wenn es nicht unbedingt sein muss,
Schwachstellen eingestanden und Dinge gelernt, die bisher
nicht verstanden worden und von existenzieller Bedeutung
sind.
Statt einem vorschnellen
"Ja" hört man im Laufe der Zeit immer häufiger ein
"Ich überlege mir das in Ruhe" oder "Darf ich mich dazu
nochmal später melden". Und für sich selbst
entdeckt der Beziehungstyp nach und nach, wie vertiefend und
sinnstiftend es sein kann, sich auch spirituellen und
geistigen Dingen ausdauernd, ernsthaft zuzuwenden - ebenso
wie es für ihn auch einen Unterschied machen kann, sich
nicht nur als "lieb" oder "freundlich", sondern auch als
"leidenschaftlich-erotisch" oder "sachlich-interessant" zu
erleben und derartige Aufmerksamkeit oder Neigung
zuzulassen.
Fallen für
Beziehungstypen
1.Ich muss lieb, nett und
freundlich sein.
2. Beziehung ist
alles.
3. Ich muss schnell
reagieren.
4. Wenn ich nicht gleich
"Ja" sage, werde ich nicht mehr geliebt
5. Ich muss stark sein und
das alleine schaffen.
6. Ich habe keine
Probleme.
7. Alles ist in
Ordnung.
8. Geld ist nicht so
wichtig.
9. Lieber nachgeben und
Frieden halten.
10. Zuviel zweifeln
schadet nur.
11. Es wird schon gut
gehen.
12. Langeweile ist
tödlich.
Ausstiegshilfen und
Notfallkoffer für Beziehungstypen
1. Vorsicht ist die Mutter
der Porzellankiste.
2. Morgen ist auch noch ein
Tag.
3. Eins nach dem
anderen.
4. Zeit ist manchmal so
wertvoll wie Geld.
5. Nimm dir Zeit und nicht
die Entscheidungsmöglichkeiten.
6. Beziehung ist nicht
alles.
7. Ich darf andere um Hilfe
bitten, die freuen sich darüber.
8. Probleme sind eine
Herausforderung, sie zu lösen.
9. Die Realität ist oft
besser als leicht platzende Träume.
10. Reserve gibt
Ruh'.
11. Im
Alltäglichen, Normalen liegt ebensoviel Glück wie
im Außergewöhnlichen, Neuen.
12. Ich kann mir den Sinn
meines Lebens selbst formulieren.
Entspannungstiere
für Beziehungstypen
1.
Schildkröte
2. Walfisch
3. Orang-Utan
4. Braunbär
5. Eisbär
6. Adler
7. Elefant
8. Murmeltier
9. Eule
10. Pinguin
11. Giraffe
12. Rentier
Copyright:
Werner Winkler Verlag 1/2005, Alle Rechte
vorbehalten
|