17. Juli 2006, Autor: Klaus-Peter Scholz, Dresden

 

Klaus-Peter Scholz
Lösung durch eine einfache Frage:

 

Krebsdiagnose und neue Perspektive

Als ich meine "Krebsdiagnose - malignes Melanom" bekam, stellte sich ein eigenartiger Zustand des Seins bei mir ein. Einerseits die Perspektive, ev. bald in diese Welt verlassen zu müssen, andererseits konnte ich mir diese Welt ohne mich gar nicht vorstellen.

Da hatte ich doch noch soviel Zeit zum Leben (zumindest statistisch gesehen - ich war damals 48 Jahre). Im Internet habe ich mich zuerst über meine Lebenserwartung schlau gemacht und nach einiger Zeit festgestellt: Meine Lebenserwartung wurde mit 95%-iger Überlebenschance für die nächsten 5-10 Jahre prognostiziert. Toll, dachte ich, und was fange ich mit dieser Information an?

Mir kam folgendes Bild in den Kopf (wie früher, wenn man mal was ausgefressen hatte, wurde folgendes "erzieherisches Mittel" angewandt): Stellen Sie sich vor, Sie müssen sich in eine Ecke stellen (rechts Wand, links Wand, hinter einem die anderen, die "nichts gemacht" hatten). Sie müssen sich also die Wand anschauen. Das ist wie ein Zwang. Man konnte sich nicht umdrehen und am Leben (Spiel), was da war, teilhaben.

Da kam mir die Idee und ich fragte mich: "Wer ist das denn, der so eine Macht über mich hat und in der Lage ist mich so zu zwingen?" (früher, als Kind, war es eine "große" Person). Heute? Heute ertappe ich mich immer wieder, dass ich es doch selbst bin, der dieses tut. Was spricht also dagegen, wenn man sich einfach mal um 180 Grad dreht und einfach "losgeht", ohne Beschränkung, um z.B. Neues zu erfahren usw. oder anders gesagt:

 

Was bedeutet denn z.B. der statistische Wert bezüglich der Lebenserwartung?

Gehst Du aus dem Haus und es fällt Dir ein Dachziegel auf dem Kopf (oder es passiert irgendetwas anderes) dann hat sich das (Leben) auch erledigt. (Da gibt es sicher auch einen statistischen Wert dazu) Mein Fazit daraus war:

Besser man dreht sich und geht erst mal los. Und so habe ich zu Beispiel das Glück gehabt viele interessante Menschen und vieles Neues zu treffen und kennen zu lernen, was mich wieder ein Stück voran gebracht habt. Ich bin neugierig, wen und was ich noch so treffen werde bzw. was sonst noch so passiert. Fazit: Werden und bleiben Sie schön neugierig!

 

Lösungsansatz:

Für mich ist es zu einem Werkzeug geworden, wenn es mal wieder klemmt, mir die Frage zu stellen:

"Willst Du dich in die Ecke stellen oder lieber doch die 180-Grad-Wendung machen und wieder loslaufen? Die Entscheidung ist klar -loslaufen ist besser als "gegen" die Wand laufen zu wollen (oder diese anzustarren und nichts zu tun), denn da kommt man mit Sicherheit nicht weiter.

 

Lösung durch einen Spruch:

Manchmal kommt es vor, dass es in einem Disput scheint, dass man in einer "verfahrenen" Kiste steckt.

Wir regen uns (stundenlang, tagelang usw.) über Sachen auf, kämpfen verbissen um recht zu haben, streiten über irgendwelche Angelegenheiten usw. (ich möchte das hier abkürzen). Hierbei hilft oft der Spruch:

"Ich kann mich jetzt "stundenlang" darüber aufregen - verpflichtet bin ich jedoch nicht dazu"

Und plötzlich erscheint diese Situation (Problem, Streit, Kampf) als gar nicht mehr so wichtig. Es ist wie eine Selbstreflexion - eine Meta-Kommunikation mit einem selbst. Zumindest ist der Blick ein anderer und man bekommt den Kopf frei, sieht irgendwie klarer und hat die Chance einer Lösung.

 

 

Mehr über den Autor unter: www.kpscholz.de

 

Copyright: Klaus-Peter Scholz und Werner Winkler-Verlag 7/2006, Alle Rechte vorbehalten