»Der Mensch als Medizin des Menschen«

Beistand, Begleitung, Bildung

 

Der Markt für "Psychologische Dienstleistungen" wächst Jahr für Jahr weiter. Vieles, was zu früheren Zeiten selbstverständlich war (ein Gespräch unter Freunden, gemeinsames Trauern, Wissensweitergabe von Eltern/Großeltern an die Kinder), wird zu einer (honorarpflichtigen) Ware.

Das hat nicht nur schlechte Seiten - denn nicht alles, was kostenlos oder aus Freundschaft gemacht wird, ist schon deshalb nützlich. Und der Bei-stand eines Geistlichen oder des Partei-sekretärs hatte nicht selten weltanschauliche Nebenwirkungen oder diente schlicht der sozialen Kontrolle.

Welche psychologischen Dienstleistungen braucht unsere Gesellschaft? Dürfen nur die Krankenkassen bestimmen, welche Methoden "anerkannt" und damit an den Universitäten gelehrt werden? Wieviel Mündigkeit wollen die Kassen ihren Mitgliedern zugestehen?

Nicht die Debatte um die 'richtigen' Psychotherapie-Methoden soll hier er-neut geführt werden - dort wird sich über kurz oder lang sowieso etwas ändern müssen; die Kostensituation lässt den Kassen gar keine andere Wahl, als neuere (effektivere, kürzere) Therapiemethoden zuzulassen.

Die meisten psychologischen Dienstleistungen werden vermutlich nicht in den Praxen, sondern in den Familien, im Telefongespräch mit der Freundin, im weltweiten E-Mail-Austausch oder nächtens auf dem Kopfkissen erbracht.

Gerade um diese Zielgruppe (um deren Bildung, Unterstützung, Supervision) kümmern sich aber weniger diejenigen, die es von Berufs wegen "wissen müssten", sondern der vielstimmige Chor aus Lebenshilfe-Literatur, Fernseh-Talkrunden-Psychologen oder engagierten Volkhochschul-Kursleitern. Auch in Vereinen oder Kirchengemeinden finden sich Menschen mit dem berühmten 'offenen Ohr' (und einer familienfreundlichen Nebenstellenanlage der Telekom).

Sie alle prägen das 'psychologische Klima' unserer Gesellschaft. Der Erfolg freier Ausbildungsanbieter wie der "Deutschen Paracelsus Schulen" fußt nicht zuletzt auf dem Wunsch, kompetent zu werden für solche Aufgaben. Viele Angehörige psychisch verletzter oder angeschlagener Menschen sehen sich überfordert und alleingelassen. Nicht wenige werden selbst krank oder leiden daran, nichts tun zu können.

Auch deshalb wurde als Überschrift für das diesjährige Central-Symposium der Deutschen Paracelsus Schulen in Stuttgart das Motto "Der Mensch als Medizin des Menschen" gewählt*. Sicher ist damit zuerst der professionell ausgebildete Mensch gemeint - aber eben auch derjenige, der 'nur' effektive Hilfestellung leisten möchte, ohne dafür ein Honorar zu bekommen.

Wer im Internet in die Foren sieht (z.B. unter www.psychologie.de), wird feststellen, dass sich viele die Zeit nehmen, Fragenden zu antworten - es gibt nicht selten fast 100 Antworten auf scheinbar so simple Fragen wie "Bin ich die Richtige für meinen Freund?". Gebildet sein bedeutet auch Verantwortung zu haben für die Bildung anderer. Wer sich auf dem Markt der Möglichkeiten im Se-tor "Psychologie" bewegt, sollte sich diese alte Weisheit zu Herzen nehmen. Nicht zuletzt aus Eigeninteresse - denn nirgendwo sonst lernt man mehr, als direkt vor nicht-fachlichen Zuhörern.

Hier 'trennt sich die Spreu vom Weizen', wird die Aufmerksamkeit der Zuhörer zu einem verlässlichen Maßstab für die (vielleicht schon verloren gegangene) Wirklichkeitsnähe der eigenen Erkenntnisse und Erfahrungen.

Sicher gehört Mut dazu, sich dem Publikum zu stellen und seine Themen (z.B. in Form eines Vortrages, Kurses, Buchs oder Artikels) einzubringen - auch das muss man erst einmal lernen.

 

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