8. März 2005, Autor: Michael Antrack (Sachtyp, Denker)

 

Sind Handlungstypen die Handwerker?

Ist die Berufswahl ressourcen- oder bevorzugungsorientiert?

 

Ressourcen am eigenen Leib erlebt
Wer sich mit dem psychographischen Persönlichkeitsmodell beschäftigt weiß, dass spätestens die Frage danach, was dem Menschen in einer bestimmten Situation hilft, uns näher an seinen psychographischen Typ heranbringt. Bin ich mir bei einer Bevorzugung nicht sicher, lote ich mögliche Ressourcen aus und schließe so auf die Typzugehörigkeit. Jeder Mensch greift bereits ohne psychographisches Wissen unbewusst auf seine Ressourcen zurück, wenn es um die Lösung einer schwierigen Situation geht. Dies wurde mir ziemlich schnell quasi "am eigenen Leib" bewusst: Schon bevor ich begann mich mit der Psychographie auseinander zu setzen wusste ich, dass mir sportliche Betätigung gut tut - vor allem, wenn ich gedanklich intensiv mit der Lösung eines Problems beschäftigt war. Oft bin ich dann kurzentschlossen ein paar Kilometer gejoggt um "den Kopf frei zu bekommen und die Gedanke zu ordnen".

Lösungsstrategien am Beispiel des Denkers
Lernt der Mensch die Psychographie kennen, kann er weitere Möglichkeiten und Strategien erkennen bzw. entwickeln und sich so bewusster in seine Ressourcen bewegen. Mit meinem psychographischen Wissen bin ich heute in der Lage (für mich) effektivere Strategien einzusetzen, wenn ich im Kopf wieder zu sehr um ein Problem kreise: Ich zeichne Mindmaps, mache ein schriftliches Brainstorming, spreche mit anderen Menschen über das was mich beschäftigt (wobei ich nicht zwangsläufig eine Lösung von diesen Menschen erwarte) etc. War es früher schlicht die sportliche Betätigung, die mir als Sachtyp in solchen Situationen gut tat, kenne ich heute effizientere Methoden, solche "Gedankenkreise" zu kanalisieren. Mir ist klar, dass für mich als "Denker" mein "Hilfepotential" in der Ressource "Machen" liegt. Die Tatsache, dass ich mich als "gegenwartsorientierter" des öfteren mal selbst daran erinnern muss birgt eine gewisse Ironie, die dazu führte, dass mich mein Mobiltelefon bei jedem Einschaltvorgang mit dem Appell: "Don't do nothing!" begrüßt. Die Textzeile aus dem Song eines englischen Musikers, die mir sehr passend scheint.

Einfluss der Bevorzugungen auf Entscheidungen
Doch bleiben wir beim Thema Wissen um Bevorzugungen und Ressourcen. Wie weit nimmt dieses Wissen Einfluss auf unsere Entscheidungen? Mit Sicherheit beeinflusst uns die Psychographie in unseren alltäglichen Dingen. Beziehungstypen beginnen vielleicht den aktiven Umgang mit der Zeit, Sachtypen melden sich vielleicht im Fitnessstudio an oder Handlungstypen laden mal die Kollegen zum Grillabend ein. Diese Beispiele bedienen zunächst Klischees, dessen bin ich mir bewusst. Doch sicher fallen uns allen Beispiele aus dem eigenen Leben oder Umfeld ein. Mir persönlich stellt sich allerdings in der letzten Zeit die Frage, ob psychographisches Wissen eine Entscheidung meines Lebens mit viel größerer Tragweite als "Joggen gehen oder Mindmap zeichnen?" beeinflusst hätte. Die Frage nämlich, mit der sich jedes Jahr Tausende von Schulabgängern konfrontiert sehen: "Welchen Beruf ergreife ich?"

Theoretisch: Gut, Praktisch: Befriedigend ...
Mit Sicherheit hätte mich dieses Wissen bei der Wahl meiner Berufsausbildung beeinflusst. Mir wäre eine kleine "Odyssee" erspart geblieben, die mich oberflächlich betrachtet schlicht Zeit gekostet hat. Dazu sollte man wissen, dass ich zunächst ein Handwerk gelernt habe. Als Sachtyp gefiel mir das durchaus. Anfangs unsicher lernte ich jedoch schnell, wiederkehrende Arbeiten zwecks Effizienz in eine passende Routine einzubinden. Dies führte dazu, dass ich bereits im zweiten Lehrjahr - mit Unterstützung eines Auszubildenden des ersten Lehrjahres - einen Gesellen selbstständig vertreten musste. Die Verantwortung und die körperliche Arbeit waren abwechselungsreich und machten Spaß. Leider fühlte ich mich in der Berufsschule bisweilen unterfordert. Dies fiel wohl auch meinem damaligen Klassenlehrer auf, der dem einzigen Gymnasiast seiner Klasse riet den Berufsweg in Richtung Studium fortzusetzen. Der Gesellenbrief spiegelt dann auch in gewisser Weise den Sachtyp wieder: "Theoretisch: Gut, Praktisch: Befriedigend". Tatsächlich habe ich den Rat des Klassenlehrers befolgt und später mein Fachabitur bestanden und ein Studium begonnen. Allerdings nicht ganz in dem Fachbereich, den er sich vorgestellt hatte (Maschinenbau), denn durch meine aktive Tätigkeit in der Menschenführung während meiner Militärzeit interessierten mich die Sozialen Wissenschaften.

Man kann ein Radio während der Fahrt ein- und ausbauen ...
Mit psychographischem Wissen hätte ich mich mit Sicherheit anders entschieden. Der "Umweg" über die Berufsausbildung wäre weggefallen. Ich hätte Zeit und Arbeit gespart. Aber: Wie wäre das jetzt? Vermutlich hätte ich diverse Probleme beim Umgang mit Bohrmaschine und Schraubenzieher. Für ein Autoradio einzubauen müsste ich vielleicht eine Fachwerkstatt aufsuchen. Vermutlich hätte ich nicht das geringste Verständnis für die Funktionsweise von ABS, ESP, ASR oder schlicht von Verbrennungsmotoren... Ich hätte viele Menschen gar nicht kennen gelernt, viele interessante Erfahrungen nicht gemacht (man kann ein Radio während der Fahrt ausbauen, reparieren und wieder einbauen - wenn man nicht gerade selbst am Steuer sitzt...) etc. Dafür hätte ich viele andere interessante Menschen getroffen und Erfahrungen gemacht. Die Frage, ob die Berufsfindung mit Psychographie für mich besser gewesen wäre bleibt für mich als das, was sie schon zu Beginn war: Akademisch.

Eine Berufswahl die den eigenen Stärken entspricht
Anders sieht es vielleicht für Menschen aus, die gerade jetzt an der Schwelle einer solchen Entscheidung stehen. Sei es nun die erste Berufsausbildung oder die berufliche Veränderung. Sicher ist die Psychographie hier in der Lage den Menschen ein Stück näher "an sich selbst", seine Wünsche und Träume heranzuführen und gleichzeitig seine Fähigkeiten und Stärken auszuloten. Kann ihm dieses Wissen doch dazu verhelfen, sich in dem Bereich / Beruf für den er sich entscheidet "wohler zu fühlen", weil er seinen Stärken bzw. seinen Ressourcen entspricht.

Forschungsprojekt zur Berufswahl der Typen
Bleibt die Frage, wonach wählen, aus psychographischer Sicht, Menschen ohne psychographisches Wissen ihren Beruf? Bleiben sie in ihrer Bevorzugung? D. h.: Werden - um noch mal die Klischees zu bemühen - die Handlungstypen Mechaniker, die Sachtypen Programmierer, die Beziehungstypen Verkäufer? Oder wenden sich die Grundtypen unbewusst ihren Ressourcen zu, wie es bei mir damals der Fall war? Es ist die Frage nach typspezifischen Berufen. Werden bestimmte Berufe / Berufsgruppen von bestimmten psychographischen Typen bevorzugt gewählt? Sicherlich ist ein Beziehungstyp theoretisch besser für die Arbeit am Empfang eines Luxushotels geeignet, als ein Handlungstyp. Vielleicht ist es aber für den Handlungstyp auch die Art Herausforderung, die ihm gut tut, da er sich "psychographisch bewegen" muss. Vielleicht ist den Psychographen unter uns schon passiert, dass Sie über einen Menschen dachten: "Der passt ideal auf diesen Job!" oder "Der sollte doch lieber was anderes machen!". Schicken Sie mir Ihre Erfahrungen! Welche Grundtypen arbeiten in welchen Berufen? Im Rahmen eines Forschungsprojekts sammle ich folgende Daten:

- Geschlecht

- Psychographischer Grundtyp

- Beruf

- 2. Beruf (wenn vorhanden)

Aktive Psychographen nennen bitte nur sich selbst - keine KollegInnen - zur Vermeidung von doppelten Erfassungen. Ich freue mich über Zuschriften unter: pg-post@michaelantrack.de

 

 

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