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Ändern Sie Ihre Haltung - Kreativer Umgang mit unklaren Situationen Tit for Tat
Der Begriff "Tit for Tat" entstammt der Arbeit von Axelrod und Hamilton (1981). Es war der Name eines (von Anatole Rapoport entwickelten) Computerprogramms. Aufsehen erregte es, weil es bei einem Spielturnier sämtliche anderen Programme schlug - und das, obwohl es das kürzeste von allen war. Seine simple Strategie hieß: Beginne mit Kooperation und tue danach jeweils das, was der andere Spieler auch tut. Selbst in der zweiten Runde - als die anderen Programmierer wussten, wie Tit for Tat vorging, siegte es weiter. Dabei ging es nicht darum, den Gegner zu besiegen, sondern das Spiel möglichst lange aufrecht zu erhalten. De Shazer und seine Mitarbeiter wandten dieses Prinzip auf die Interaktion zwischen Therapeut und Klient an: Nicht mehr der Widerstand des Klienten wurde beachtet (wie z.B. in der Psychoanalyse), sondern seine Kooperation. Empfahl der Therapeut z.B. eine Hausaufgabe und führte der Klient diese durch, hieß die Schlussfolgerung: weitere Hausaufgaben. Tat er es nicht, wurden keine weiteren Hausaufgaben erteilt. Dietmar Friedmann leitete nun aus dieser veränderten Haltung eine Interventionstechnik ab, die sowohl innerhalb wie außerhalb der Therapie/Beratung eingesetzt werden kann. Hier soll eine vereinfachte Form vorgestellt werden - er nannte sie "Gleiches mit Gleichem - positiv":
1. Schritt: Notieren Sie Gefühle, unter denen Sie leiden (nicht, was der andere tut, sondern, worunter Sie dann leiden). Bsp.: - erniedrigt - vernachlässigt - missverstanden
2. Schritt: Daneben schreiben Sie jetzt je einen neuen Begriff. Dieser sollte ein ähnliches Gefühl beschreiben, jedoch mit einem positiveren Klang. (Hilfsfrage: Wann ist es ausnahmsweise normal, jemanden zu ....... - und wie nennt man das dann?) Bsp.: - erniedrigt - einen Schritt zurück - vernachlässigt - zur Selbständigkeit anregen - missverstanden - zur Nachfrage anregen
3. Schritt: Erinnern Sie sich nun an Gelegenheiten, bei denen Sie diese Qualtitäten (rechts) bereits einmal genutzt haben.
4. Schritt: Erinnern Sie sich an die innere Haltung, die Sie in solchen Situationen eingenommen haben. Nehmen Sie diese erneut ein und konfrontieren Sie damit die momentan leidauslösende Situ-ation. Denken Sie daran, dass es um Kooperation geht, nicht um einen Kampf. Sie können auch die einzelnen Worte nehmen und jeweils getrennt die Haltungsänderung erproben. Meist zeigt sich, dass solche 'Haltungsreserven' ein neues Licht auf die Situation werfen und sich das subjektive Empfinden augenblicklich ändert.
Variante: Statt einer Haltungsänderung kann auf diese Weise auch eine Verhaltensänderung eingeleitet werden. Dazu überlegt man sich, womit die Kooperation des 'Spielpartners' hervorgelockt werden kann. Zum Beispiel empfahl der Unternehmensberater einem spezialisierten Fachbetrieb, seine Wunschkunden so zu behandeln, als seien diese bereits sehr gute Geschäftspartner. Was würde man mit solchen sehr guten Kunden machen? Sie bekämen die besten Muster, könnten selbst per Internet Modelle auswählen, Preise rechnen usw. Als die Firma so an die Sache heranging, stellte sich ein andauernder Erfolg ein. Sie wurde wegen ihres einzigartigen Service gelobt und die Idee sogar von anderen Firmen der Branche nachgeahmt. Voraussetzung ist aber stets die ehrliche Absicht, mit dem Kunden (und seinem Bedarf) zu kooperieren und ihm bei der Erledigung seiner Aufgaben zur Seite zu stehen*.
Buchtipps: Steve de Shazer: Wege der erfolgreichen Kurztherapie, Klett-Cotta, 1989, Dietmar Friedmann: Integrierte Kurztherapie, Primus-Verlag, 1997
* Wer sich für den Service der oben beschriebenen Firma interessiert, kann sich unter www.mappenwagner.de informieren.
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